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Versorgung durch MVA

Fernwärme für Tomaten

Mit Fernwärme aus Müllverbrennungsanlagen lassen sich Wohnungen und Schulen versorgen. Es können aber auch Gewächshäuser profitieren – so wie in Sachsen-Anhalt, wo die Wärmeauskopplung dem Anbau von Tomaten zugutekommt.

Wer an potenzielle Abnehmer für Fernwärme aus Müllverbrennungsanlagen denkt, landet nicht automatisch bei Gewächshäusern. Doch in Zorbau (Sachsen-Anhalt) liegt der Gedanke ziemlich nahe. Denn dort steht seit September ein Riesen-Gewächshaus für Tomaten  – nur wenige Meter entfernt von der MVA Zorbau.

Rund 8 Hektar Fläche umfasst das Gewächshaus. Das entspricht gut 11 Fußballfeldern. Die Firma Gemüsering Böhmer baut dort Rispen-, Cocktail- oder Snacktomaten an. Damit die Tomaten wachsen und reifen können, ist das Gewächshaus mit einer Fußbodenheizung ausgestattet – im Durchschnitt herrscht im Gewächshaus eine Temperatur von 21 Grad.

Die nötige Wärme für die Tomaten liefert der MVA-Betreiber Suez „direkt hinter den Zaun“, wie der Geschäftsführer der Anlage, Klaus Libuda, sagt. Als Wärmequelle dient so genannter 5-bar-Dampf, der genutzt wird, um Wasser zu erhitzen. Das 90 Grad heiße Wasser wird über Leitungen von wenigen hundert Metern Länge zu einem Wärmespeicher transportiert.

„Von dort wird es in ein 450 Kilometer langes Röhrennetzwerk im Boden der Gewächshäuser gespeist“, ergänzt Lukas Scholz, Prokurist bei Gemüsering Böhmer. Die Rücklauftemperatur liegt bei 60 Grad. Wie Scholz erklärt, kann mit dem Wärmespeicher Wärme für einen Tag vorgehalten werden.

Wärmepreis niedriger als üblich

Pro Jahr koppelt Suez 22.500 Megawattstunden Wärme für die Tomatenbauer aus. „Zusätzlich gehen 18.500 Megawattstunden Strom an den Gemüsering“, so Suez-Geschäftsfüher Libuda. Bisher ist er mit der Kooperation zufrieden: „Es ist nicht so, dass das unser Unternehmen rettet, aber wir profitieren von einem besseren R1-Faktor und aufgrund des nachhaltigeren Betriebs von einem positiven Image.“ Darüber hinaus seien die Investitionskosten von insgesamt 1,1 Millionen Euro überschaubar gewesen.

Gemüsering Böhmer hat einen zweistelligen Millionenbetrag investiert. Prokurist Scholz ist überzeugt, dass „sich das Projekt wirtschaftlich rechnet.“ Die Firma bezahlt die kommenden 15 Jahre einen niedrigeren Wärmepreis als üblich. So lange läuft der mit Suez geschlossene Wärmeliefervertrag. Außerdem kommt den Tomatenbauern zugute, dass sie den Strom über ein sogenanntes Inselnetz (Microgrid) direkt von der MVA beziehen. „Aus diesem Grund müssen wir keine Netzentgelte zahlen“, so Scholz.

Zweifel am Gesamtprojekt gibt es offenbar nicht. Denn aktuell ist geplant, die bestehende Anbaufläche von acht Hektar um einen Hektar zu erweitern.

 

© 320° | 12.12.2018

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