Responsive Menu Pro Image
Responsive Menu Pro Image Responsive Menu Clicked Image
Home / Allgemein / Vom Klärwerk in den Zapfhahn – Bier aus Abwasser
Recyceltes Wasser

Vom Klärwerk in den Zapfhahn – Bier aus Abwasser

Mit Bier aus Abwasser will eine Firma zeigen, wie gut Abwasser gereinigt werden kann. Ähnliche Projekte gibt es in den USA und Tschechien. In Südböhmen hat eine Brauerei Bier mit Recycling-Wasser aus einer Prager Kläranlage gebraut.

Ausgerechnet in Deutschland, im Land des Reinheitsgebots, gibt es jetzt Bier aus Abwasser. Und es soll sogar genießbar sein. „Wir wollen zeigen, dass gereinigtes Abwasser nutzbar ist und man damit auch hochwertige Getränke herstellen kann“, sagt Jens Scheideler von der Herforder Firma Xylem. Das Wasser-Technologie-Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen präsentierte sein Bier mit dem englischen Namen „Reuse Brew“ am vergangenen Montag bei einer Konferenz zur Wassergewinnung und Wiederverwertung.

1.000 Flaschen und einige Fässer – insgesamt vier Hektoliter – haben die Herforder in Berlin brauen lassen. Allerdings nicht zum Verkauf, sondern für Werbezwecke. „Unser Reuse Brew ist nach allen Regeln der deutschen Braukunst gebraut und enthält neben recyceltem Wasser die besten Zutaten, die ein Craftbier benötigt“, sagt Xylem-Anwendungsmanager und Brauingenieur Jan-Karl Nielebock.

Berliner Wasserbetriebe als Projektpartner

Die Firma will damit ein Zeichen für die Wiederverwendung von Abwasser setzen. Europa gelte zwar als wasserreich, sagt Schneideler. Doch nicht in allen Regionen seien die Wasservorräte wirklich groß.

Auch in Berlin und Brandenburg nicht. „Wir haben mit Spree und Havel zwei Gewässer, die die Bezeichnung „Fluss“ nicht wirklich verdienen, weil sie zu wenig Wasser führen“, sagt Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. Und das trockene Jahr 2018 habe gezeigt, dass die Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser durchaus eine Entlastung für die Grundwasservorräte sein könnte.

Die Berliner Wasserbetriebe beteiligen sich als Partner an dem Projekt, denn auch das Unternehmen erforscht seit Jahren die Aufbereitung von Abwasser. Dazu gehören neben Schmutzwasser aus Haushalten wie Toilettenwasser, Küchenwasser mit Gemüse- und Speiseresten sowie Putz-, Wasch- und Badewasser, auch Wasser aus Industrie und Gewerbe und Niederschlagswasser. Letzteres enthält den Schmutz von Dächern, Gärten oder auch Straßen.

Noch wird das gereinigte Wasser aus den sechs Berliner Klärwerken nur in Fließgewässer geleitet und geht wieder ins Grundwasser über, von wo das Trinkwasser gewonnen wird. Doch Bier aus Abwasser – ist das die Zukunft?

Für den Sprecher der Wasserbetriebe ist es „eher ein Gag“. „Wir wollen zeigen, dass es zumindest technisch möglich ist.“ Er glaube, dass Bier aus herkömmlichem Wasser besser schmecke. Denn im Gegensatz zum hochgereinigten Wasser enthalte es noch viele Mineralien als Geschmacksträger.

Wasserrecycling im Weltall

Die Bier-Idee ist nicht ganz neu. Auch in den USA habe es schon Brauprojekte gegeben, um Bewohnern verschiedener Regionen die Nutzung von aufbereitetem Abwasser im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft zu machen, erzählt Schneideler. Und selbst im Bierland Tschechien gibt es Hopfensaft aus Recyclingwasser. Erst vor wenigen Tagen berichtete „Radio Praha“ über eine Kleinbrauerei in Südböhmen, die 15 Hektoliter Bier mit Recycling-Wasser aus einer Prager Kläranlage gebraut hat.

„Auch die Technologie zur Reinigung des Wassers ist nicht neu“, sagt Natz. An vielen Orten der Welt werde sie eingesetzt, vor allem in Wassermangel-Gebieten in Afrika. Sogar im Weltall: „Die Astronauten der ISS zum Beispiel können nur 50 Liter pro Kopf mit ins All nehmen und müssen damit monatelang auskommen.“

Laut Xylem kann das Wasser in einem mehrstufigen Verfahren so sauber werden, dass es die Qualität vieler Tafelwässer sogar noch übertrifft. Neben Ozon und Aktivkohle können demnach auch Wasserstoffperoxid und UV-Licht eingesetzt werden, um Viren, Keime, Industriechemikalien und andere Schadstoffe zu entfernen.

Doch die Reinigung bis zur höchstmöglichen Stufe ist momentan noch sehr teuer und aufwändig. In Berlin wird deshalb auch getestet, ob mit der Reinigung in natürlichen Anlagen die Kosten gesenkt werden können. In Zukunft werde Abwasser auf jeden Fall eine größere Rolle spielen als bislang, ist Natz überzeugt.

 

© 320° | 19.06.2019

Kommentar verfassen

Anzeige
Anzeige

Mehr auf 320°

Mehr auf 320°