Klimaschutz

In die Diskussion um klimaneutrales Fliegen kommt Bewegung. Die Bundesregierung will neue Technologien fördern und auch die Luftfahrtbranche will das Fliegen nachhaltiger machen. Viele Hoffnungen liegen auf der Entwicklung synthetischer Kraftstoffe.

Airlines setzen auf grünen Sprit


In einem sind sich Bundesregierung und die Luftfahrtbranche einig: Fliegen muss klimafreundlicher werden. „Wir wollen keine erzwungenen Einschränkungen unserer Mobilität“, stellte Angela Merkel bei der Luftfahrtkonferenz in Leipzig klar. Es gebe aber in Zeiten von „Fridays for Future“ zunehmende Kritik an der Frage des Flugverkehrs. „Umso wichtiger ist es, dass die Branche zeigen kann, dass Wachstum nicht immer mit mehr Wachstum klimaschädlicherer Emissionen verbunden ist.“ Es müsse eine Entkopplung erreicht werden.

Während Greenpeace, der BUND und Fluglärmgegner deutliche Einschränkungen im Flugverkehr verlangen, wollen Branche und Regierung mit ihrer „Leipziger Erklärung“ einen Weg zum klimafreundlichen Luftverkehr aufzeigen. „Wir sind in einer Bringschuld, den Luftverkehr nachhaltig zu organisieren“, sagte der Präsident des Flughafenverbandes ADV, Stefan Schulte. „Wer, wenn nicht wir, könnte das schaffen.“

Klimaneutraler Treibstoff ist teuer

Vor Ort bei der Luftfahrtkonferenz sind aber nur erste zarte Ansätze einer emissionsfreien Zukunft zu sehen. In der zweimotorigen Maschine vom Typ „Do 228 Electric Flight Demonstrator“ will das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) verschiedene alternative Antriebe testen: Zunächst einen batteriebetriebenen Elektromotor, mittelfristig eine Gasturbine zur laufenden Stromproduktion und schließlich ein Triebwerk mit synthetischen Kraftstoffen. Wichtigstes Problem bei der Batterie: Bei vergleichbarer Energie wird derzeit das 70-fache Gewicht und Volumen von Kerosin benötigt – Platz, der in keinem Verkehrsflugzeug vorhanden ist.

„Auf der Langstrecke können wir langfristig nicht auf Kohlenwasserstoffe verzichten“, sagt daher der Airbus-Manager und Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, Klaus Richter. Wo heute noch fossiles Kerosin verbrannt wird, könnte bald auch synthetischer Kraftstoff eingesetzt werden, produziert mit grünem Strom durch Wasserstoff-Dialyse. Beimischungen zum fossilen Kerosin sind längst erprobt und genehmigt. Das Problem: Bislang stehen selbst im weltweiten Rahmen nur geringste Mengen des klimaneutralen Treibstoffs zu noch sehr hohen Preisen zur Verfügung.

Höhere Ticketsteuer?

Während der deutschen EU-Präsidentschaft im kommenden Jahr will die Bundesregierung eine industriepolitische Initiative für einen nachhaltigen Luftverkehr starten und zudem einen neuen Anlauf zu einem einheitlichen Luftraum über Europa nehmen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer will außerdem das komplette Aufkommen der Luftverkehrsteuer von rund einer Milliarde Euro pro Jahr gezielt in die Forschung zu den neuen Luftfahrttechnologien investieren. Das Geld fließt bislang ohne Zweckbindung in den Bundeshaushalt.

Der CSU-Politiker denkt in diesem Zusammenhang auch über eine höhere Ticketsteuer nach, zu der die Branche bereit sein könnte, wenn dafür mehr Geld in die Aero-Forschung fließt. Als Felder nannte Scheuer synthetische Kraftstoffe, Triebwerkstechnologie oder die Aerodynamik.

Die Airlines selbst setzen ihre Hoffnungen auf den grünen und öffentlich geförderten Sprit: „Wenn wir es wirklich schaffen, dass die Entwicklung nachhaltiger Kraftstoffe durch bestehende Einnahmen der Luftverkehrsteuer unterstützt werden, dann können wir einen wichtigen Beitrag zum klimaneutralen Fliegen leisten“, sagte der Geschäftsführer der Tuifly, Oliver Lackmann.

 

© 320°/dpa | 22.08.2019

Mehr zum Thema