Schifffahrt

In deutschen Häfen stapeln sich die Container. Inzwischen versuchen Logistikdienstleister, sich mit Bahntransporten zu helfen. Die Lage ist schwierig - Schiffe fahren nur noch vereinzelt.

„Wir sind noch bis nächste Woche handlungsfähig“


Angesichts des Niedrigwassers des Rheins bleiben in deutschen Häfen immer mehr Container liegen. „Es fahren noch vereinzelt Schiffe mit niedrigem Tiefgang“, sagt Marco Speksnijder, Manager bei Contargo Rhein-Neckar im Hafen Ludwigshafen/Mannheim. Die Schiffe könnten aber deutlich weniger Ladung aufnehmen als sonst – derzeit trügen Schiffe je etwa 20 bis 30 Container statt 150 bis 200.

„Die Terminals der Häfen sind bereits zu etwa 85 Prozent gefüllt, das liegt aber auch an den Folgen des Ukraine-Kriegs und der Schließung des Hafens Shanghai“, sagte Speksnijder. „Stand jetzt sind wir noch bis Mitte nächster Woche handlungsfähig, dann wären wir bei 100 Prozent Belegung angelangt. Wir hoffen, dass bald ein bisschen Wasser kommt, damit wir etwas abfahren können.“

Speksnijder zufolge fährt der Logistikdienstleister Contargo wegen des Niedrigwassers zweimal wöchentlich Container auf der Schiene von Mannheim nach Duisburg. Es handele sich vor allem um Container, die rechtzeitig an einem Seehafen sein müssten, um auf ein Schiff umgeladen zu werden.

Lkw fahren Landbrücken

Arndt Puderbach, der in der Geschäftsführung von Contargo Rhein/Main für das Terminal zuständig ist, spricht von „einer recht schwierigen Situation“. Sie sei ähnlich wie im Oktober 2018. „Wir schauen von Tag zu Tag.“ Für eine Statistik mit genauen Zahlen fehle derzeit die Zeit. Klar sei jedoch: „Die Auftragslage ist leicht rückläufig.“

Contargo versucht, seinen Kunden andere Verkehrsträger – Lastwagen und Schiene – anzubieten. „Das ist aber in Normalzeiten schon alles ausgebucht“, erklärt Puderbach. Die Suche nach Alternativen sei schwierig: Es sei leichter, einen Lkw zu kaufen als Fahrer zu finden.

„Unsere Nahverkehr-Lkw fahren jetzt Landbrücken“, sagte Puderbach weiter. Gestrandete Import-Container aus Koblenz würden auch nach Ludwigshafen und Wörth gefahren. Andere fahren den Angaben nach mit der Bahn nach Mannheim oder Duisburg und beladen dann dort die Schiffe.

„Wir haben mittlerweile die Schifffahrt weitgehend eingestellt – mit der Betonung auf weitgehend“, sagte Cok Vinke, Manager bei Contargo Waterway Logistics. Einige Schiffe seien trotz des niedrigen Wasserstands noch in der Lage, über den wichtigen Abschnitt Kaub zwischen Mainz und Koblenz zu fahren. „Diese Schiffe können natürlich nicht mehr viele Tonnen an Ladung mitnehmen. Aber solange es geht, wird die Schifffahrt noch Ladung befördern.“ Auch andere Unternehmen würden jedoch wohl ihre Kapazitäten senken, weil weniger transportiert werden könne, sagte Vinke.

Niedriger Pegelstand bei Kaub

Unterdessen bleibt der für die Schifffahrt auf dem Rhein wichtige Pegelstand bei Kaub zwischen Mainz und Koblenz auf niedrigem Niveau. Am Dienstagmittag lag er bei 32 Zentimetern und damit einen Zentimeter höher als zum gleichen Zeitpunkt des Vortags. Am Morgen hatte die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) 33 Zentimeter gemessen. Laut WSV-Prognose pendelt der Pegelstand bis zum Samstag zwischen 31 und 34 Zentimetern.

Der Stand zeigt aber nicht die tatsächliche Wassertiefe an. Die Fahrrinnentiefe bei Kaub betrug am Dienstag nach WSV-Angaben noch 1,44 Meter. Niedriger ist die Fahrrinnentiefe an keinem anderen Abschnitt des Mittel- und Niederrheins. Sie ist entscheidend, wie viel Fracht Binnenschiffer zuladen können.

Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) forderte die Bundesregierung mit Nachdruck auf, die Engstellen im deutschen Wasserstraßennetz zu beseitigen. „Die Binnenschifffahrt unternimmt auch unter erschwerten Schifffahrtsverhältnissen alles, um die Versorgung der Wirtschaft und Industrie mit Gütern und Rohstoffen sicherzustellen“, so der Verband. Gefahren werde „bis an die Grenze des physikalisch Möglichen“ – und solange es sicher sei. Beim aktuellen Pegelstand Kaub könne ein Schiff, das sonst rund 4.000 Tonnen Ladung transportiere, noch maximal 1.000 Tonnen aufnehmen.

Die niedrigen Wasserstände rücken das Thema Rheinvertiefung wieder in den Fokus. Bundesverkehrsminister Volker Wissing sagte im ARD-Morgenmagazin, es werde schon sehr lange über die Rheinvertiefung diskutiert. „Die Fahrrinne muss dort dringend vertieft werden, damit man auch bei niedrigem Wasserstand die Binnenschifffahrt am Laufen halten kann“, meinte der FDP-Politiker. „Das wurde lange diskutiert, aber nicht umgesetzt. Und das gehen wir jetzt an.“ Ziel ist es, die Fahrrinne von garantierten 1,90 Metern auf durchgängig 2,10 Meter in Bezug auf einen definierten Wasserstand zu vertiefen.

320°/dpa/re

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