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Interview zum Einstieg von ELS als duales System

„Der Preisdruck wird nachlassen“

320°-Interview mit Sascha Schuh, Geschäftsführer von ELS, über die Verfassung der dualen Systeme, die beantragte Zulassung von ELS als neues duales System und die Auswirkungen der 7. Novelle auf die Entsorgungswirtschaft.

Die ELS Europäische LizenzierungsSysteme GmbH wurde 2008 gegründet und verfügt über eigene Rücknahmesysteme in den Bereichen Landwirtschaft, Kfz-Werkstätten und Pharma. Wird die 7. Novelle der Verpackungsverordnung und die damit verbundene Eindämmung der Branchenlösungen wie geplant umgesetzt, würde die ELS weitgehend ihre Geschäftsgrundlage verlieren. Im Mai hat die Gesellschaft deshalb die Zulassung als duales System beantragt.

Herr Schuh, was haben Sie in den vergangenen Wochen gedacht, als Sie die Auseinandersetzungen der dualen Systeme mitverfolgt haben?

Sascha Schuh
ELS
ELS

Sascha Schuh

Offen gesagt, haben mich die ganzen Auseinandersetzungen schon ziemlich erschreckt. Der Streit der dualen Systeme untereinander hat letztlich gewirkt wie das Sägen des Astes, auf dem man sitzt. Die Auseinandersetzung zeigt aber auch, dass der Konkurrenz- und Preiskampf der dualen Systeme sich mittlerweile so stark entwickelt hat, dass es existenzbedrohend werden kann.

Wo liegt aus Ihrer Sicht das eigentliche Grundproblem der dualen Systeme?

Das Grundproblem liegt darin, dass große Mengen über die Eigenrücknahme herausgerechnet werden und dadurch die Finanzierung der dualen Systeme nicht mehr gegeben ist. Wenn es stimmt, dass es Systeme gibt, die 30 Prozent Eigenrücknahme einpreisen, dann frage ich mich, wie viele Joghurtbecher wir denn alle zurückgeben müssen, damit diese Zahlen zustande kommen.

Die Eigenrücknahme wird mit der geplanten 7. Novelle faktisch unterbunden. Wenn Sie Recht haben mit ihrer Problemanalyse, hieße das, dass das System der Verpackungsentsorgung künftig reibungslos funktionieren wird.

Ja, dafür sehe ich tatsächlich gute Chancen.

Das hat man bei früheren Novellen auch geglaubt. Viele Branchenvertreter haben in der Zwischenzeit den Glauben an die dualen Systeme verloren.

Das mag stimmen. Aber es gibt einen wesentlichen Unterschied zu früheren Novellen. Die 7. Novelle ist, so wie sie aktuell vorliegt, die strengste seit der ursprünglichen Verpackungsverordnung. Mit dieser Novelle wird die Verpackungsentsorgung auf ein ganz anderes Fundament gestellt.

Bislang ist der Markt der Verpackungsentsorgung stark umkämpft, viele klagen, dass das Systemgeschäft zunehmend unrentabel wird. Wird sich das mit der 7. Novelle ändern?

Zumindest sind die Weichen dafür gestellt. Denn die 7. Novelle wird die dualen Systeme grundsätzlich stärken. Es mag zwar richtig sein, dass es für das ein oder andere duale System kein ausreichend profitables Geschäft ist, aber für andere duale Systeme ist es das durchaus. Das hängt immer von der jeweiligen Kostenstruktur ab. Ich gehe fest davon aus, dass sich das Systemgeschäft durch die Eindämmung von Branchenlösungen und Eigenrücknahme stabilisieren wird. Und ich glaube auch, dass der Preisdruck nach unten im Laufe der Zeit nachlassen wird, weil der Anteil der dualen Systemmengen wieder steigen wird.

Wird dann auch der Preisdruck auf die Entsorger abnehmen?

Ja, davon gehe ich aus. Und auch die Lizenznehmer und Inverkehrbringer von Verpackungen dürften davon profitieren.

Dennoch erscheinen die Rahmenbedingungen für die Verpackungsentsorgung instabil. Niemand weiß, was das neue Wertstoffgesetz bringt, wenn es denn überhaupt kommt.

Ja, das stimmt schon, aber Sie müssen auch eines sehen: Wenn der Gesetzgeber die dualen Systeme mit dem Wertstoffgesetz überflüssig machen wollte, dann bräuchte er sich nicht die Mühe mit der 7. Novelle machen. Der Gesetzgeber hat mit der 7. Novelle klar zum Ausdruck gebracht, dass er die Funktionsfähigkeit der dualen Systeme sichern will. Ob er das dann mit einem Gesetz einige Monate später wieder opfern will, halte ich für äußerst fragwürdig.

Sie sind mit Ihren Rücknahmesystemen bislang in den Bereichen Landwirtschaft, Kfz-Werkstätten und Pharma tätig. Welche Segmente wollen Sie mit Ihrem neuen dualen System bedienen?

Wir werden breit aufgestellt auf den Markt gehen. Wie haben heute schon über die verschiedenen Branchen hinweg unsere Kunden, die wir seit Jahren mit unseren Rücknahmesystemen betreuen und die wir dann ab dem kommenden Jahr als duales System bedienen können. Wir sind aktuell fokussiert auf die Landwirtschaft, Automotive und Pharmazie, aber wir werden unsere Erfassungssysteme bis 1.1.2015 auch auf andere Bereiche ausdehnen.

Sie haben im Mai bei allen Bundesländern die Feststellungsanträge gestellt. Wie geht es nun weiter?

Die einzelnen Bundesländer bearbeiten nun die Anträge, so dass das normale Verwaltungsprocedere in Gang gekommen ist, welches die Verpackungsverordnung vorschreibt. Bislang gab es von Seiten der Ministerien keine einzige negative Äußerung. Im Gegenteil, wir haben bereits erste Anzeichen, dass wir in einzelnen Bundesländern den positiven Bescheid in absehbarer Zeit haben werden. Sobald wir alle Bescheide haben, legen wir los.

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