Starke Nachfrage

Seit der ersten Ölkrise sind die Großhandelspreise in Deutschland nicht so stark geklettert wie im vergangenen Jahr. Betroffen waren vor allem Rohstoffe und Vorprodukte. Aber auch Altmaterial und Reststoffe zogen kräftig an.

Stärkster Preissprung bei Großhandels­preisen seit 1974


Die Großhandelspreise in Deutschland sind im vergangenen Jahr um 9,8 Prozent gestiegen – so stark wie seit fast 50 Jahren nicht mehr. Eine höhere Steigerung gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes binnen Jahresfrist zuletzt 1974 während der ersten Ölkrise mit plus 12,9 Prozent.

Ein Grund für die Entwicklung im vergangenen Jahr war die große Nachfrage nach Rohstoffen und Vorprodukten angesichts der wirtschaftlichen Erholung nach dem Corona-Tief. Vor allem die Preise für Mineralölerzeugnisse (plus 32 Prozent) sowie Erze und Metalle (plus 44,3 Prozent) zogen im Großhandel im Vergleich zum Vorjahr kräftig an, wie das Bundesamt am Mittwoch mitteilte.

Auch die Preissteigerungen im Großhandel mit Altmaterial und Reststoffen (+74,2 Prozent) sowie mit Getreide, Rohtabak, Saatgut und Futtermitteln (+21,8 Prozent) hätten erheblich zum höheren Gesamtindex im Jahr 2021 beigetragen. Zudem kommt ein Basiseffekt zum Tragen: Im Krisenjahr 2020 war das Preisniveau für viele Rohstoffe vergleichsweise niedrig, sodass der Unterschied jetzt noch deutlicher in Gewicht fällt.

Grafik: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Der Großhandel ist eine von mehreren Wirtschaftsebenen in Deutschland, auf denen sich das allgemeine Preisniveau bildet. Hinzu kommen die Preise für nach Deutschland eingeführte Güter und die Preise, die Hersteller für ihre Produkte erhalten, die Erzeugerpreise. Sie alle wirken auf die Verbraucherpreise, an denen die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik ausrichtet.

In Deutschland lagen die Verbraucherpreise im Dezember um 5,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Damit erreichte die Inflationsrate in Europas größter Volkswirtschaft den höchsten Stand seit Juni 1992. Für das Gesamtjahr 2021 hat das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung für Deutschland die höchste Teuerungsrate seit 1993 errechnet: Energiepreise, Lieferengpässe sowie die Rücknahme der zeitweisen Mehrwertsteuersenkung trieben die Jahresteuerung auf 3,1 Prozent.

320°/dpa

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