Konjunktur

Die Unternehmen in Deutschland rechnen mit harten Zeiten. Besonders stark trüben sich die Erwartungen ein. Ökonomen befürchten ein Abrutschen in die Rezession.

Geschäftsklima bricht wegen Ukraine-Kriegs ein


Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich angesichts des Ukraine-Kriegs stark verschlechtert. Das Ifo-Geschäftsklima, Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer, fiel von Februar auf März um 7,7 Punkte auf 90,8 Zähler, wie das Ifo-Institut am Freitag in München mitteilte. Die Geschäftserwartungen der Unternehmen seien noch stärker abgestürzt als beim Ausbruch der Corona-Krise vor zwei Jahren, erklärt das Ifo-Institut.

„Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist eingebrochen“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Unternehmen in Deutschland rechneten mit harten Zeiten. Die Industriebetriebe bewerteten nicht nur ihren Ausblick als „extrem unsicher“, sie bewerteten auch schon ihre aktuelle Geschäftslage schlechter als im Vormonat: Ihr Gesamtindex ist „so stark gefallen wie noch nie“, sagte Fuest.

In der Autoindustrie führten fehlende Kabelbäume aus der Ukraine und Engpässe bei Rohstoffen und Halbleitern zu Produktionsstopps und Kurzarbeit in deutschen Werken. „Auto ist richtig abgerauscht von plus 14 auf minus 43 Punkte“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Die Elektrobranche sei nicht so stark betroffen, die Chemieindustrie dagegen schon. Sie leide nicht nur unter dem extrem gestiegenen Gaspreis und erwartet Produktions- und Umsatzrückgänge in diesem Jahr, sondern sie käme ohne russische Gaslieferungen sofort ins Schleudern – mit Folgen für die Lieferketten in allen Branchen.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Rezession“

„Die Stimmungseintrübung kommt angesichts der Kriegsfolgen nicht überraschend“, sagte Ralf Umlauf, Analyst der Landesbank Hessen-Thüringen. Nach Einschätzung von Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, ist die Botschaft eindeutig: Die deutsche Wirtschaft rutsche mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Rezession. Die stark gestiegenen Energiekosten, die an Schärfe gewonnene Lieferkettenproblematik und die immer noch nicht verdauten wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie wiesen die deutsche Wirtschaft in die Schranken.

„Wie sich die Dinge innerhalb nur eines Monats doch ändern können“, kommentierte Jörg Zeuner, Chefökonom von Union Investment. Nachdem sich im Januar und Februar noch Zuversicht breitgemacht habe, überwiege jetzt der Pessimismus. „Ein Großteil der Unternehmen blickt mit viel Skepsis in die nächsten Monate. Man kann es ihnen angesichts der jüngsten Entwicklungen kaum verdenken.“

320°/dpa

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