Mist aus Tierpark

Elefantenmist, Laub und andere Abfälle aus dem Berliner Tierpark lassen sich deutlich klimafreundlicher verwerten als das bisher der Fall ist. Aus dem Material kann wertvoller Kompost mit Pflanzenkohle entstehen – eine neue Erlösquelle für den Tierpark.

Wie Kompost wertvoller wird


Tierische und pflanzliche Abfälle aus dem Berliner Tierpark lassen sich deutlich klimafreundlicher und kostengünstiger verwerten als das bislang der Fall ist. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Freien Universität Berlin, die aus Abfällen Pflanzenkohle produziert und mit dieser hochwertigen Kompost hergestellt haben. 

„Die Herstellung und Anwendung von Pflanzenkohle kann 850 bis 1.750 Tonnen Kohlendioxid im Jahr sparen. Außerdem könnte der Tierpark mit dem Verkauf von Pflanzenkohle und Kompost zusätzliche Einnahmen erzielen“, sagt Geowissenschaftler und Projektkoordinator Robert Wagner.

Das Projekt soll nun anderen Zoos und Tierparks aus ganz Deutschland vorgestellt werden. Ob es allerdings in Berlin auch umgesetzt wird, ist noch offen. „Das Projekt ist nach wie vor sehr interessant für uns. Es gibt hier noch keine finale Entscheidung, wie es damit weitergehen wird“, sagt Sprecherin Philine Hachmeisterin. 

Verkohlen spart Erdgas

Die 160 Hektar große Anlage ist einer der größten Landschaftstiergärten Europas. Jährlich fallen 1.500 Kubikmeter Laub, etwa 8.000 Kubikmeter Mist, 155 Kubikmeter Holz und 72 Kubikmeter Grünschnitt an. Bislang werden die Abfälle von externen Anbietern abtransportiert und entsorgt. Das koste nicht nur Geld, sagt Robert Wagner. „Die Abfälle werden vorrangig auch nur nach wirtschaftlichen, nicht aber nach ökologischen Kriterien verwertet“, so der Forscher.

In ihrem vierjährigen Projekt haben Wagner und sein Team Laub und Holzhäcksel in einer Karbonisierungsanlage zu Pflanzenkohle verkohlt. Pflanzenkohle kann durch ihre große und poröse Oberfläche langfristig Nährstoffe und Wasser binden. Damit macht sie Böden dauerhaft fruchtbarer. Sie wird Kompost beigemischt und macht diesen somit wertvoller. Aktuelle Versuche zum Pflanzenwachstum hätten die positiven Eigenschaften der Pflanzenkohle bestätigt, so Wagner. 

„Bei der Verkohlung entsteht außerdem Wärme, die für das Heizen von Gebäuden genutzt werden sollte. So lassen sich auch Erdgas und andere fossile Brennstoffe einsparen“, so Robert Wagner. Beim Verkohlen der Pflanzenreste werde außerdem ein Teil des Kohlenstoffs aus den Pflanzen langfristig in der Kohle gebunden. Das verringere Emissionen von Kohlendioxid, die zum Beispiel bei der Verrottung von Pflanzen entstehen und wieder in die Atmosphäre gelangen würden.   

320°/dpa

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