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Niedriger Börsenkurs

Nickelpreis: Erste Signale für Trendwende

Die niedrigen Nickelkurse lassen die NPI-Produktion in China unwirtschaftlich werden. Produktionskürzungen könnten die Folge sein. Davon wiederum könnte der Nickelpreis profitieren.

Von Roland Mauss, Oryx Stainless

Der gegenwärtige Nickelmarkt an der London Metal Exchange (LME) stellt Marktteilnehmer wie Marktanalysten auf eine harte Probe. Zum Jahresanfang schien zunächst alles klar und Fundamentaldaten sowie Kursentwicklung folgten einer gemeinsamen Logik. Inzwischen hat sich zwar fundamental nichts Wesentliches geändert, dennoch gibt es aktuell ein erhebliches Störgefühl bezüglich des bestehenden Kursniveaus.

Richtig ist sicherlich, dass sich, anders als noch zu Jahresbeginn erwartet, die Reichweite der in China lagernden Nickelerzbestände deutlich verlängert hat. Dies liegt insbesondere daran, dass die Philippinen den Export von nickelhaltigen Erzen nach China deutlich erhöht haben. Zwar haben die Erze von den Philippinen in der Regel niedrigere Nickelgehalte, doch in Mischung mit den höhernickelhaltigen Lagerbeständen indonesischer Herkunft ergibt sich weiterhin ein tauglicher Ausgangsrohstoff für die Nickel Pig Iron (NPI)-Produktion in China. Allerdings ist auch diese Reichweite irgendwann einmal erschöpft: über den genauen Zeitpunkt kann man nur spekulieren.

Signal einer Trendwende

Die NPI-Produktion in China leidet aber gegenwärtig weniger an einer fehlenden Rohstoffversorgung, als mehr an den niedrigen Nickelkursen, die die Produktion unwirtschaftlich werden lässt. Produktionskürzungen sollten die unmittelbare Folge sein. Möglicherweise ist der kleine Rebound der Notierungen nach einem Test der Unterstützung bei USD 15.000,00/mt in Richtung USD 15.600,00/mt bereits ein Vorbote dieser Entwicklung oder aber vielleicht auch schon ein frühes Signal einer allgemeinen Trendwende.

Denn während in den Vorjahren die saison- und wetterbedingten Rückgänge der Erzexporte von den Philippinen durch entsprechend höhere Exporte aus Indonesien kompensiert werden konnten, wird diese ausgleichende Wirkung diese Jahr ausbleiben. Das Ausfuhrverbot unraffinierter Nickelerze aus Indonesien ist nach wie vor vollumfänglich in Kraft. Auch werden die Investitionen in NPI-Produktionsanlagen in Indonesien noch eine geraume Zeit benötigen, bis diese den erwarteten Angebotsausfall zumindest teilweise werden ausgleichen können.

Weiterhin ist es keine wirkliche Überraschung, dass es vermutlich nicht zu akuten Engpässen in der Nickelversorgung kommen wird. Und das nicht nur vor dem Hintergrund der knapp 400.000 Tonnen an Primärnickel (Kathoden, Pellets und Granulat), die in den von der LME akkreditierten Lagerhäusern lagern. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass es sich bei dem größten Teil der im Jahresverlauf aufgebauten LME-Lagerbestände nicht um eigentlich neue Bestände handelt.

Vielmehr geht es um abgetretene Bestände im Zusammenhang mit Finanzierungsgeschäften, die bislang in Nicht-LME-Lägern innerhalb von China weilten, nun aber aufgrund erhöhter Sicherheitsanforderungen der an den Geschäften beteiligten Banken in LME-Lagerhäuser umgelagert und dadurch sichtbar werden. Hintergrund ist der Quingdao-Finanzskandal, bei dem offenbar wurde, dass einzelne Metallbestände mehrfach als Sicherheit für Bankkredite verpfändet wurden.

Schon seit Jahren weisen wir darauf hin, dass die LME-Lagerbestände nicht isoliert betrachtet werden können. Die ausschließliche Fokussierung auf die LME-Bestände ergibt ein nicht vollständiges Bild der Lagersituation und ist daher nur mit großer Vorsicht zu betreiben. Das gilt auch heute nach wie vor. Zum einen sind die Bestände an LME-gängigen Nickelqualitäten außerhalb der LME-Läger bei Produzenten, Handel und Verbrauchern einzubeziehen, zum anderen ist nicht zuletzt die Versorgungssituation bei Edelstahlschrott und Nicht-LME-Nickelqualitäten – als mittlerweile wesentliche Legierungslieferanten für die Edelstahlproduktion in Europa – zu berücksichtigen.

Weltweit steigende Edelstahlproduktion

Unabhängig davon scheint der Zugang zu Kapital und Kredit für Rohstoff- und Stahlunternehmen in China zunehmend schwerer zu werden. Das ist ein gutes Zeichen für die europäische Stahlindustrie, denn damit könnten bestehende Wettbewerbsverzerrungen beseitigt werden, indem nicht nachhaltig wirtschaftenden Organisationen die finanzielle Unterstützung durch den chinesischen Staat und chinesische Staatsbanken entzogen wird.

Damit ist die Verfügbarkeit von Nicht-LME-Nickelträgern wie Ferronickel und Edelstahlschrott ein enorm wichtiger Parameter der Angebotsseite. Bei dem gegenwärtigen Nickelpreisniveau ist jedoch das preiselastische Angebot der Edelstahlschrotte eher reduziert. Auch bei den Ferronickelproduzenten besteht vor dem Hintergrund der individuellen Kostenkurven vermutlich wenig Freude am Abschluss von langfristigen Liefervereinbarungen. Das Einzige, was gegenwärtig (noch und dennoch) zu eingeschränkten Preiseingeständnissen an die Nickelverbraucher führt, ist deren saisontypisches Verhalten im Hinblick auf die Optimierung des Working Capitals zum Bilanzstichtag sowie der allgemein unter Druck gekommene Auftragseingang durch die schwachen Nickelnotierungen.

Richtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich die allgemeine Konjunktur in Asien und Europa abgekühlt hat, allerdings meldet das britische Research-Institut MEPS neue Rekordzahlen für die weltweite Edelstahlproduktion für 2015. Es wird eine Jahresproduktion von 41 Millionen Tonnen erwartet, was einem Zuwachs von 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Offensichtlich muss man daher mit einer Gleichsetzung von globaler und Branchenkonjunktur doch etwas vorsichtig sein. Aufgrund der eingetrübten Konjunkturerwartungen sind aber viele Investoren eher vorsichtig mit ihren Engagements in den Rohstoffmärkten. Dies lässt sich schon daran ablesen, dass die Euphorie bezüglich der Entwicklung der Nickelkurse in Investorenbereich aktuell doch etwas gewichen ist, was sich in einer Veränderung Richtung defensiverer Positionierung in den letzten Monaten widerspiegelt.

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