Marktbericht für Edelmetalle

Nicht nur Gold und Silber verbuchen leichte Preissteigerungen, auch Platin hat sich am Ende der vergangenen Woche etwas erholt. Das Edelmetall profitiert von einer höheren industriellen Nachfrage. Anders verlief hingegen die Entwicklung für Palladium. Der wöchentliche Marktbericht für Edelmetalle.

Gold und Silber brechen aus Seitwärtsbewegung aus


Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.

Gold

Die Seitwärtsbewegung im Gold hat sich in der vergangenen Woche zunächst fortgesetzt: das Metall handelte bis Donnerstag in einer Spanne von 1.146 bis 1.180 US-Dollar/oz. Dabei verhinderten die bekannten Einflussfaktoren wie USD-Stärke, positive Konjunkturdaten aus den USA, starke Aktienmärkte und ETF-Abflüsse, dass Gold nach oben ausbrechen konnte. So fielen die Bestände des größten mit Gold hinterlegten ETF GDL Gold Trust auf den tiefsten Stand in 6 Jahren und spiegeln die verhaltene Stimmung der Investoren gegenüber Gold wider.

Im Bereich der Kleinanleger sieht die Lage wiederum ganz anders aus: seit der Preiskorrektur Ende Oktober hat die Nachfrage nach Goldbarren deutlich zugenommen, da im Endkundensegment das tiefere Preisniveau für Neueindeckungen genutzt wird. Dies verdeutlicht, wie relevant Preisschwankungen für Anleger sind. Auch der World Gold Council sieht laut seiner Veröffentlichung Gold Demand Trends Q3 2014 hierin den Grund für die geringe Investmentnachfrage im 3. Quartal – was im Umkehrschluss die Preisstabilität zusätzlich erhöhte. Die Gesamtnachfrage im genannten Zeitraum fiel im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2 Prozent, während sich das Angebot um 7 Prozent verringerte. Auffallend war mit einer Erhöhung von 60 Prozent die Schmucknachfrage im Zuge von Diwali in Indien.

Gold brach am Freitag unerwartet aus der o.g. Bandbreite aus und kletterte im Zuge von Short-Covering bis auf 1.194 US-Dollar/oz. Bislang hält der Preis über der wichtigen Unterstützung bei 1.180 US-Dollar/oz, so dass sich die Lage nach der Korrektur der letzten Wochen etwas entspannen könnte. Grundsätzlich bestehen die oben erwähnten belastenden Faktoren jedoch weiterhin.

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Gold: 10.11.-16.11.2014 Dollar/oz Euro/oz Euro/g
Hoch 1.193,34 953,07 30,64
Tief 1.145,92 922,72 29,67

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Silber

Silber handelte in der letzten Woche bei einer nach wie vor hohen Gold-Silber-Ratio (75) weiterhin auf Levels, welche zuletzt im September 2009 bestanden. Am Freitag konnte sich das Metall jedoch analog zu Gold der Seitwärtsbewegung entziehen und kletterte im Tagesverlauf um 4 Prozent auf 16,25 US-Dollar/oz.

Grundsätzlich trüben jedoch das charttechnische Umfeld (Abwärtstrend) als auch die wirtschafts-(politische) Lage mittelfristig weiterhin den Ausblick. Anleger scheint dies nicht zu beirren: Die Nachfrage nach Silbermünzen hat deutlich angezogen und auch die ETF-Bestände nähern sich einem 3 ½-Jahreshoch. Mit dem Sprung über die 16,00 US-Dollar/oz ist die Schwelle von 16,44 US-Dollar/oz in Sicht geraten.

Aktuell werden speziell Daten, welche Hinweise auf den Zeitpunkt der Zinserhöhung in den USA geben könnten, beachtet. Im Falle von besser als erwarteten Zahlen könnte die Zinserhöhung früher, im Falle schlechterer Zahlen später als erwartet erfolgen. Diesbezüglich könnten folgende Daten von hoher Relevanz sein: US-Wirtschaftsdaten (Montag, 15:15 Uhr), US-Redbook (Dienstag, 14:55 Uhr), US-Immobilienmarktzahlen (Mittwoch, 14:30 Uhr und Donnerstag, 16:00 Uhr) sowie US-Inflationszahlen (Donnerstag, 14:30 Uhr).

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Silber: 10.11.-16.11.2014 Dollar/oz Euro/oz Euro/g
Hoch 16,46 13,15 422,69
Tief 15,23 12,25 393,87

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Platin

Platin ist in der letzten Woche kurzzeitig unter das Preisniveau von 1.180 US-Dollar/oz gefallen. Dieser Wert hatte charttechnische Signalwirkung und resultierte bei daraufhin steigenden Kursen in Eindeckung von Short-Positionen, die das Metall am Freitag bis über 1.210 US-Dollar/oz steigen ließen (+1,7 Prozent). Grundsätzlich handelte Platin im Verlauf der Berichtsperiode in einer Bandbreite von 1.178 bis 1.225 US-Dollar/oz.

Ein treibender Faktor für die zunächst fallenden Kurse waren die Verkäufe an den Terminbörsen. Trotz der kurzen Erholung am Freitagabend bedarf es für einen nachhaltigen Ausbruch nach oben eines wesentlichen Impulses. Bemerkenswert ist derzeit die starke industrielle Nachfrage, welche vor allem auf die nachlassenden Preise zurückzuführen ist („Bargain-Hunting“). In diesem Atemzug hat sich auch die Prämie nach Platinschwamm innerhalb weniger Tage verdoppelt. Ausblickend stellt die Marke bei 1.181 US-Dollar/oz eine wichtige Unterstützung dar, welche trotz der Korrektur nach dem Fixing bereits verteidigt werden konnte.

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Platin: 10.11.-16.11.2014 Dollar/oz Euro/oz Euro/g
Hoch 1.225,75 984,14 31,64
Tief 1.171,10 943,52 30,33

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Palladium

Palladium besitzt den besten Ausblick aller Edelmetalle: 25 Analysten erwarten für 2015 einen durchschnittlichen Preis von 876 US-Dollar/oz. In der letzten Woche musste das Metall jedoch anders als die anderen Metalle einen leichten Verlust hinnehmen und fiel im Wochenverlauf um knapp 1 Prozent. Dabei hätte man in Reaktion auf den russischen Einmarsch in die Ostukraine mit Angst vor weiteren Sanktionen und entsprechenden Preissteigerungen rechnen können. Russland ist schließlich der mit Abstand bedeutendste Palladiumproduzent.

Die Reaktion war jedoch verhalten. Wir konnten diese Woche bei unveränderten Schwammprämien eine robuste industrielle Nachfrage verzeichnen. Charttechnisch sind Widerstände bei 770 US-Dollar/oz und folgend 776 US-Dollar/oz sowie Unterstützung bei 755 US-Dollar/oz im Auge zu behalten.

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Palladium: 10.11.-16.11.2014 Dollar/oz Euro/oz Euro/g
Hoch 786,27 631,00 20,90
Tief 748,80 603,00 19,39

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Rhodium, Ruthenium, Iridium

Erstaunlicherweise hat sich Rhodium in der Berichtswoche wieder sehr lustlos und mit geringen Umsätzen gezeigt. Es fehlen momentan die Impulse, um den Preis entscheidend in die eine oder andere Richtung zu bewegen. Auch Gerüchte über eine zukünftige Autokatalysator-Herstellung ohne den Einsatz von PGMs ließen den Markt unberührt. Wobei zu erwähnen ist, dass es Nachrichten dieser Art schon oft gegeben hat und es bisher noch nicht gelungen ist, dies auch nur ansatzweise umzusetzen.

Die Nachfrage aus Asien ist vergleichsweise schwach und dies veranlasst Händler dazu, Metall tendenziell abzugeben und Positionen zu reduzieren. Auch auf der Investmentseite ist es auffällig ruhig. Wir erwarten für diese Woche eine Seitwärtsbewegung oder sogar noch einmal leicht schwächere Kurse.

Keine Neuigkeiten gibt es bei Ruthenium. Der Markt hat sich auf aktuellem Niveau stabilisiert und wartet ebenfalls auf entscheidende Nachrichten oder Umsätze.

Iridium setzt nicht ganz überraschend seinen Tiefflug fort und handelt weitere 25 US-Dollar schwächer. Auch hier ist die Nachfrage relativ schwach, da weiterhin auf tiefere Kurse spekuliert und somit abgewartet wird.

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10.11.-16.11.2014 Rhodium ($/oz) Iridum ($/oz) Ruhthenium ($/oz)
Hoch 1.160,00 475,00 50,00
Tief 1.230,00 535,00 60,00

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