Preise im September

Im September sind die Altpapierpreise in Deutschland massiv gestiegen. Deutlich teurer wurde auch importiertes Altpapier – bedingt durch weiter steigende Einfuhren.

Altpapierpreise gehen durch die Decke


Lieferengpässe und die Folgen der Corona-Krise haben zu steigenden Preisen auf dem Papiermarkt geführt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verteuerten sich notwendige Rohstoffe wie Altpapier oder Zellstoff im September überdurchschnittlich. Die Großhandelspreise für gemischtes Altpapier legten gegenüber dem Vorjahresmonat um mehr als das Dreifache zu (plus 222,4 Prozent), wie die Wiesbadener Behörde am Mittwoch mitteilte. Papier- und Pappereststoffe waren um 147,0 Prozent teurer.

Deutlich teurer wurde auch aus dem Ausland importiertes Altpapier. Die Einfuhrpreise lagen im September 2021 um 75 Prozent über dem Vorjahresmonat. Der Import von Holz- und Zellstoff, ebenfalls ein wichtiger Rohstoff zur Papierherstellung – von Toilettenpapier bis Schreibpapier -, kostete 45,7 Prozent mehr als im September 2020.

Gestiegen sind auch die Erzeugerpreise. Besonders Wellenpapier, das aus Altpapier hergestellt und zur Polsterung von Verpackungen und Kartons genutzt wird, hat sich deutlich verteuert: +78,5 Prozent im September 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat. Für sogenannte Testliner – aus Altpapier hergestelltes Deckpapier für Wellpappe – erzielten die Hersteller im September 2021 um 56,5 Prozent höhere Preise als ein Jahr zuvor. Dagegen fiel die Preissteigerung für grafisches Papier mit +5,3 Prozent gegenüber dem September 2020 sowie für Zeitungspapier mit +13,3 Prozent vergleichsweise gering aus.

Die Folgen bekommen auch die Verbraucher zu spüren. Papierprodukte wie Druckerpapier oder Schulhefte waren im September 2021 um 4,5 Prozent teurer als im Vorjahresmonat. Die Verbraucherpreise insgesamt legten im selben Zeitraum um 4,1 Prozent zu.

Die Preissteigerung für Altpapier ist nach Darstellung des Statistischen Bundesamtes auf den Mangel an hochwertigerem Altpapier zurückzuführen, der seinerseits das Ergebnis der seit Jahren sinkenden Produktion von grafischem Papier sei. „Wurden 2010 noch 6,62 Millionen Tonnen solcher Papiere in Deutschland hergestellt, waren es 2019 noch 5,07 Millionen Tonnen – ein Rückgang um 23,4 Prozent, erklärt die Behörde. Nach Ausbruch der Corona-Pandemie, als kaum Veranstaltungsflyer benötigt wurden und Firmen weniger Werbematerialien drucken ließen, sei die Produktion im Jahr 2020 nochmals zurückgegangen: um 11,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 4,49 Millionen Tonnen. Insgesamt sei das ein Rückgang binnen 10 Jahren um 32,2 Prozent gewesen.

Da Printverlage die Umfänge von Zeitungen reduzierten, nahm auch die Produktion von Zeitungsdruckpapier ab: Mit 1,47 Millionen Tonnen sei 2020 hierzulande 15,2 Prozent weniger Zeitungsdruckpapier hergestellt worden als im Jahr zuvor, so das Statistische Bundesamt. Das seien 42,6 Prozent weniger als im Jahr 2010. Die Herstellung von Zeitungsdruckpapier brach auch europaweit ein: In den EU-27-Staaten seien allein im Jahr 2020 mit 4,31 Millionen Tonnen fast ein Viertel (22,2 Prozent) weniger produziert worden als im Jahr zuvor. Dieses Papier fehlt nun für die Wiederverwertung.

Hinzu kommt, dass die Papierindustrie in Deutschland sich in den vergangenen Jahren zunehmend von der Produktion grafischer Papiere hin zu Verpackungspapieren und -pappen orientiert hat. Die Produktion von Wellenpapier, das aus Altpapier hergestellt und zur Polsterung von Verpackungen und Kartons genutzt wird, belief sich 2010 noch auf 1,61 Millionen Tonnen. 2020 waren es bereits 4,36 Millionen Tonnen – ein Anstieg um 170,3 Prozent.

Mehr Altpapier-Importe

Ein großer Teil der benötigten Rohstoffe zur Papierherstellung wird nach Deutschland importiert. Von Januar bis August 2021 wurden nach Angaben der Staitistiker insgesamt 3,41 Millionen Tonnen Papier und Pappe zur Wiederverwertung importiert, das war fast ein Viertel (22,1 Prozent) mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Importe von Holz- und Zellstoff legten im Vergleichszeitraum zwar ebenfalls zu: um 7,7 Prozent auf insgesamt 2,97 Millionen Tonnen in den ersten acht Monaten dieses Jahres.

320°/dpa/sk

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