Markt in Deutschland

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Trotz hoher Papiernachfrage waren die Altpapierpreise im Dezember weiter rückläufig. Allerdings fallen die Preissenkungen moderat aus – insbesondere im Süden Deutschlands.

Altpapierpreise weiter unter Druck


Die durchschnittlichen Preise für die gängigen Altpapiersorten in Deutschland waren im Dezember erneut rückläufig. Wie aus der Preiserhebung des Marktforschungsinstituts FOEX hervorgeht, erlöste die Sorte sortiertes gemischtes Altpapier (1.02) im Dezember durchschnittlich 181,11 Euro je Tonne frei Werk. Im November lag der Preis bei 183,12 Euro.

Ähnlich verlief die Preisentwicklung für Kaufhausaltpapier (1.04). Laut FOEX lag der durchschnittliche Erlöspreis im Dezember bei 194,83 Euro frei Werk. Im November betrug der durchschnittliche Preis 196,56. Für sortierte Deinkingware (1.11) senkte sich der Durchschnittspreis ebenfalls: Eine Tonne erlöste im Dezember 207,42 Euro frei Werk – 12,88 Euro weniger als im November.

Nach Angaben von Marktvertretern war die Preisentwicklung für 1.02 und 1.04 im Dezember je nach Region unterschiedlich, mit hohem Preisdruck aufgrund geringer Exporte im Norden und guter Nachfrage aus den Nachbarländern, die die Binnenpreise im Süden des Landes stützten. „Die Nachfrage aus Österreich ist in Süddeutschland recht groß. Das Land befindet sich in einem harten Lockdown, und zahlreiche Papierfabriken aus dem Alpenraum versuchen, große Altpapiermengen in Süddeutschland zu beschaffen“, berichtet ein Branchenvertreter.

Zu den nur geringfügigen Preisrückgängen für 1.02 und 1.04 im Dezember trug auch bei, dass viele Papierfabriken beschlossen hatten, in den Weihnachtsferien kaum Stillstände einzulegen. „Ich glaube, so etwas habe ich noch nie gesehen. In den deutschen Werken hat es immer Produktionsstopps von mindestens einer Woche nach Heiligabend gegeben“, so ein Marktteilnehmer. „Aber anscheinend ist die Papiernachfrage in diesem Jahr so hoch, dass sie beschlossen haben, die Produktion nicht zu unterbrechen, und dafür brauchten sie natürlich ausreichend Rohstoffe.“

Berichten zufolge waren die Altpapierbestände der Papierfabriken im Dezember hoch. Dennoch fürchteten manche zunehmende Transportprobleme in der Weihnachtszeit und versuchten, zusätzliche Mengen zu sichern. „Osteuropäische Fahrer werden in den Ferien nach Hause fahren und aufgrund von Corona möglicherweise früher abreisen und später als üblich zurückkehren, je nach der Entwicklung in ihren Heimatländern und möglicher Quarantänebestimmungen bei ihrer Rückkehr“, kommentiert ein Marktteilnehmer. „Ich gehe davon aus, dass der Transport mindestens bis Mitte Januar und vielleicht sogar bis Ende des Monats ein Alptraum sein wird“, sagt ein anderer.


Gemeinschaftsproduktion von FOEX und RISI:

Der Marktbericht für Altpapier in Deutschland ist eine Kooperation zwischen RISI/PPI Europe und FOEX. Während FOEX für die Preiserhebungen zuständig ist, schreibt RISI die Kommentare zur Marktentwicklung. RISI publiziert unter anderem das wöchentlich erscheinende „PPI Europe“ mit Papiermarktberichten und Papierpreisen.

FOEX Indexes ist ein unabhängiges finnisches Unternehmen, das zertifizierte, markengeschützte Preis-Indices für Zellstoff, Papier, Altpapier und Biomasse erstellt. Im vergangenen Jahr wurde das Unternehmen von der Axio Data Group übernommen, zu der auch der Informationsdienst RISI gehört.

Nach Angaben von FOEX basieren die erhobenen Altpapierpreise ausschließlich auf den Preisen am deutschen Markt und decken mindestens die Hälfte des Marktes ab. Die Käufer (Papierwerke) und Verkäufer (Händler, Sammler, Abfallunternehmen) seien bei der Preiserhebung nahezu gleichberechtigt vertreten. Der Marktbericht und die Altpapierpreise werden zu Beginn eines Monats für den abgelaufenen Monat veröffentlicht.

320°/RISI/FOEX

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