Sortimentsgestaltung

In manchen Bereichen attestiert das Umweltbundesamt dem Einzelhandel gute Klimaschutzmaßnahmen. Doch in anderen Bereichen nutzten die Unternehmen ihren Handlungsspielraum kaum oder gar nicht. Wie etwa im nachhaltigen Einkauf.

UBA kritisiert Einkaufspolitik des Einzelhandels


Die großen Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland nutzen ihre Einflussmöglichkeiten für einen stärkeren Klima- und Umweltschutz nur unzureichend. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Umweltbundesamts (UBA). Die Unternehmen im Lebensmitteleinzelhandel hätten in Sachen Nachhaltigkeit sehr viel Einfluss – sowohl auf die Produktionsbedingungen als auch auf das Konsumverhalten, sagt UBS-Präsident Dirk Messner. Einige Unternehmen gingen hier schon voran und hätten sich zum Beispiel ambitionierte Ziele für Klima- und Waldschutz gesetzt. Das Potenzial sei aber noch lange nicht ausgeschöpft, die Nachhaltigkeitsstrategien der Konzerne seien bis jetzt nur unzureichend verankert.

„So wird zwar viel von Umweltschutz und Nachhaltigkeit gesprochen, aber im Einkauf der Produkte, bei Preisgestaltung oder Werbung zum Beispiel sehen wir oft das Gegenteil“, sagt Messner. „Hier ist auch die Politik ist gefragt: Sie muss entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, damit aktiver und konsequenter Umweltschutz zum Wettbewerbsvorteil für die Unternehmen wird.“

Mehr pflanzliche Alternativprodukte

In der Studie wurde das Umweltengagement der acht umsatzstärksten Lebensmitteleinzelhandels-Unternehmen Deutschlands (Aldi Nord, Aldi Süd, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Penny und Rewe) in den Bereichen Lieferketten (Einkauf und Zusammenarbeit mit Lieferanten), eigene Standorte sowie Konsum (Interaktion mit Verbrauchern) bewertet. Bewertet wurden 22 Handlungsfelder, 43 Indikatoren und 112 Subindikatoren jeweils auf einer Skala von 1 (no practice) bis 5 (best practice). Im Mittel schneiden die Unternehmen zwischen 1,6 und 3 ab.

Vor allem bei der Berichterstattung zu Umweltzielen sowie bei Energieeffizienzsteigerungen in den Filialen und Produktionsstätten schneiden die Unternehmen eher gut ab. Auch in Bezug auf Umweltkampagnen und Sensibilisierungsmaßnahmen erzielen die acht Supermärkte gute Ergebnisse.

So nutzen die Unternehmen beispielsweise Branchenstandards und Zertifizierungen für bestimmte Rohstoffe wie Kakao, Kaffee oder Palmöl und arbeiten daran, sich wissenschaftsbasierte Klimaziele oder Ziele für entwaldungsfreie Lieferketten zu setzen. Weitere positive Beispiele seien Aktionen und Kampagnen zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung sowie das große Angebot an Biolebensmitteln und das steigende Angebot an pflanzlichen Alternativprodukten, erklärt das UBA.

UBA empfiehlt Mix aus finanziellen Anreizen und regulatorischen Maßnahmen

Doch in den Bereichen Sortimentsgestaltung und Sensibilisierung von Konsumenten fällt die Bewertung weniger gut aus. In diesen Bereichen nutzten die Unternehmen ihren Handlungsspielraum überhaupt nicht oder nur unzureichend, meint das UBA.

Mit Sortimentsgestaltung ist der nachhaltige Einkauf der Produkte und Rohwaren gemeint; die Sensibilisierung der Konsumenten umfasst Maßnahmen im Bereich der Ladengestaltung, Produktplatzierung und Werbung, um die Menschen zu umweltfreundlicheren Kaufentscheidungen zu motivieren. Aus Sicht des UBA könnte hier zum Beispiel ein stärkerer Fokus auf den Umweltschutz gelegt werden, indem besonders umweltschädliche Produkte – wie Ware, die per Flugzeug geliefert wird – nicht angeboten werden. Auch im Bereich Werbung werde noch nicht genug getan. So würden zum Beispiel tierische, umweltschädlichere Produkte deutlich stärker beworben als die umweltfreundlicheren pflanzlichen Alternativen.

Die Studie empfiehlt den Einzelhändlern, ihr Nachhaltigkeitsmanagement insgesamt systematischer zu gestalten: Dazu sollten durchweg überprüfbare Ziele zur ökologischen⁠ Nachhaltigkeit ⁠gesetzt werden, in bessere Daten investiert sowie das Nachhaltigkeitsmanagement stärker mit Geschäftsführung, Einkauf und Warengruppenmanagement verknüpft werden.

Auch die Politik ist gefragt: Das⁠ UBA ⁠empfiehlt einen Politik-Mix aus finanziellen Anreizen und regulatorischen Maßnahmen. Zu den finanziellen Anreizen könnte beispielsweise eine Neuausrichtung der Mehrwertsteuer für Lebensmittel nach ökologischen Kriterien zählen. Zu den regulatorischen Maßnahmen zählt unter anderem die Internalisierung externer Kosten, sodass die Umweltkosten der Produktion, wie Luftverschmutzung oder Klimaschäden, zählen, die bislang von der Gesellschaft getragen werden, eingepreist werden.

Außerdem sollten Mindeststandards im Rohwareneinkauf, etwa für Palmöl oder Soja, eingeführt oder bestimmte, besonders schädliche Fangarten im Fischfang ausnahmslos verboten werden, erklärt das UBA. Zudem sollte die Politik Rahmenbedingungen für eine transparente und besser vergleichbare Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen setzen.

320°/re

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