„Starke Marktstörungen“

Corona, Energiekrise und zuletzt eine rückläufige Nachfrage nach Kunststoffrezyklaten: Die europäischen Kunststoffrecycler verzeichnen einen Wachstumsdämpfer. Sie hoffen auf gesetzliche Regelungen.

Kunststoffrecycling in Europa: Wachstum ist rückläufig


Eine Kapazität von 12,5 Millionen Tonnen, ein Umsatz von über 10 Milliarden Euro und rund 30.000 Beschäftigte. So lauten die Eckdaten der europäischen Kunststoffrecycling-Industrie für 2022, die der europäische Verband Plastics Recyclers Europe (PRE) veröffentlicht hat.

Zufrieden ist der Verband damit nicht. Aufgrund starker Marktverwerfungen sei die Wachstumsrate von 17 Prozent im Jahr 2021 auf 10 Prozent gesunken, erklärt der Verband. 2022 habe sich vor allem die Energiekrise bemerkbar gemacht.

Auch für die Zukunft ist der Verband nicht optimistisch – vor allem aufgrund der rückläufigen Nachfrage nach Kunststoffrezyklaten. Verantwortlich seien die niedrigen Preise für Neuware, eine geringere Industrieproduktion sowie die Importe von vergleichsweise günstigen Recyclingkunststoff aus Ländern außerhalb der EU. Das Wachstum der europäischen Kunststoffrecyclingindustrie drohe zu schrumpfen, warnt Plastics Recyclers Europe.

Nötig seien deshalb neue gesetzliche Regelungen für den „Erfolg der Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen“. Dazu zählt der Verband die Vorschläge zur EU-Verpackungsverordnung und zur EU-Altautoverordnung. Die Umsetzung gesetzlicher Regelungen werde von „entscheidender Bedeutung“ sein, sagt Verbandspräsident Ton Emans.

Grafik: picture alliance/dpa-Infografik

Nach Angaben des Verbandes gibt es in Europa 850 Kunststoffrecyclinganlagen mit einer durchschnittlichen Kapazität von 15.000 Tonnen. Mehr als 80 Prozent der Gesamtkapazität entfallen auf flexible Polyolefine, PET und starre Polyolefine.

Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien und Frankreich stellten 60 Prozent der Gesamtkapazität dar. Spanien und Italien seien führend bei PE und PP, während in Frankreich einen großen Anteil bei PET habe. Belgien, die Niederlande, Polen und Rumänien verzeichneten die größten Kapazitätszuwächse.

320°/re

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