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USA und Kanada

Cloud und Co.: Trends auf dem nordamerikanischen E-Schrott-Markt

Der E-Schrott-Markt in Kanada und den USA kämpft derzeit mit einigen Problemen, bietet aber auch einige interessante Chancen. US-Branchenexperten haben sieben Trends ausgemacht, welche die Branche fest im Griff und bereits zu Restrukturierungen der Industrie geführt haben.

In Kanada und den USA gibt es eine große Zahl an Playern auf dem E-Schrott-Markt. Insgesamt rund 1.650 gewinnorientierte Recyclingunternehmen und zusätzlich 550 Non-Profit-Organisationen betreiben Anlagen in Nordamerika. All diese Unternehmen und Organisationen sehen sich derzeit nicht wenigen Hindernissen gegenüber, aber auch einigen interessanten Chancen.

Die wichtigsten Trends und größten Probleme hat in der vergangenen Woche Jerry Powell, Chefredakteur der E-Scrap News, beim International Electronics Recycling Congress (IERC) in Salzburg zusammengefasst. Nach seiner Darstellung läuft es derzeit vor allem beim Recycling von CRT-Glas aus TV-Geräten und Computermonitoren alles andere als rund. „Über 300.000 Tonnen Glas aus Kathodenstrahlröhren (Cathode Ray Tubes) werden jährlich in Nordamerika verarbeitet“, berichtete Powell. Allerdings werde der Markt für diese Glasscherben immer kleiner und die Frage „Wohin damit?“ immer drängender.

Verarbeitungslücke für CRT-Glas wird größer

Ein großer Abnehmer für CRT-Glas hat seinen Sitz in Indien, allerdings sei der Schmelzofen derzeit wegen Reparaturarbeiten außer Betrieb, so Powell. Diese Verarbeitungslücke könnten die drei Bleihütten in den USA und Kanada nur bedingt ausfüllen. Denn diese Hütten hätten schlicht eine Obergrenze für die Menge an CRT-Glas, die sie durchsetzen können. „Das bestehende CRT-Rückgewinnungssystem hat mit diesen Marktbeschränkungen zu kämpfen“, betonte Powell. Dass mittlerweile rund zehn Verwerter ihre Tore geschlossen haben, verschärft die CRT-Problematik zusätzlich. „Bei diesen Unternehmern lagern noch über 50.000 Tonnen Glas, für deren Behandlung die Umweltbehörden nun eine Lösung finden müssen.“

Der zweite Trend, den Powell ausgemacht hat, dreht sich ums Thema Zertifizierung. Bekanntermaßen gibt es zwei US-Zertifizierungsprogramme, die den Schutz der Umwelt, der Gesundheit und der Sicherheit auf höchstem Niveau gewährleisten wollen: eStewards und R2. „Unsere Recherche hat gezeigt, dass der Großteil an ausgedienten Elektronikgeräten von zertifizierten Firmen behandelt wird.“ Viele der Unternehmen seien sogar nach beiden Standards zertifiziert. „Beide Zertifizierungssysteme verlangen von ihren Teilnehmern, dass sie sich neuen operativen Herausforderungen stellen müssen, wie zum Beispiel der Handhabung von Flachbildschirmen.“

Miniaturisierung und Cloud bringen Veränderungen mit sich

Die fortschreitende Miniaturisierung der elektronischen Geräte ist ein weiterer Trend, der den E-Schrott-Recyclern nicht nur in den USA und Kanada zu schaffen macht. Die Zahl der Altgeräte, die ins Recycling gelangen, wächst zwar kontinuierlich, allerdings nimmt ihr Durchschnittsgewicht ab. Das werfe eine Reihe von Fragen auf, so Powell: „Sind die bestehenden Anlagen zu groß, um diese kleiner und kleiner werdenden Altgeräte zu handeln? Wird der Ertrag aus dem Recycling der nicht wiederverwendbaren Teile ausreichen, um den Betrieb der bestehenden Anlagen zu finanzieren und aufrechtzuerhalten? Müssen Rückgewinnungsprogramme eventuell auf neue elektronische Geräte ausgeweitet werden wie zum Beispiel auf die sogenannten Wearables (tragbare Computersysteme)?“

Eine weitere einschneidende Änderung könnte die größer werdende Cloud mit sich bringen. „Bisher basiert das Geschäft der E-Schrott-Verwerter auf dem Recycling von ausgedienten Elektronikgeräten, die bei einer großen Zahl an Erzeugern anfallen. Hinsichtlich von Computern und Servern könnte sich dieses System in Zukunft ändern“, sagt Powell. „Eine wachsende Nummer an Nutzern von Computern und Servern zieht es in die Cloud.“ Unter Cloud Computing versteht man das Speichern von Daten in einem entfernten Rechenzentrum, aber auch die Ausführung von Programmen, die nicht auf dem lokalen Arbeitsplatz-Computer oder Server installiert sind, sondern eben entfernt in der Cloud, in der Wolke.

Große Serverfarmen, die beispielsweise von Unternehmen wie Amazon oder Google betrieben werden, führen bereits zu einem Rückgang der Nutzung von Arbeitsplatz-Computern und -Servern. „In Zukunft werden Recycler daher immer weniger Computergeräte von Firmen- und institutionellen Verbrauchern erhalten, dafür aber mehr und mehr ausgediente Server von Cloud-Service-Providern“, prognostiziert Powell.

Preisverfall für recycelte Metalle und Kunststoffe

Abgesehen von diesen technischen Neuerungen, die Probleme aber auch Chancen bergen, hat die E-Schrott-Branche in Nordamerika mit einem schwierigen Marktumfeld zu kämpfen. „Die nur laue weltweite Konjunktur und die weltweiten Überbestände an Basis- und Edelmetallen haben zu einem Preisverfall bei den recycelten Metallen geführt“, analysiert Powell. Das Gleiche gelte bei den Kunststoffen. „Die Rekordtiefpreise für Rohöl haben zu extrem schwachen Preisen für petrochemische Produkte, einschließlich von Polymeren, geführt.“

Dass gleichzeitig das staatliche Handeln in Bezug auf die E-Schrott-Problematik abflaut, trägt zu diesem schwierigen Umfeld bei. „In den meisten kanadischen Provinzen und in 27 der 50 US-Bundesstaaten gibt es gesetzlich vorgeschriebene Recyclingsysteme“, so Powell. „Allerdings sind in diesem Jahrzehnt nur selten auch staatliche Bemühungen erfolgt, die Gerätehersteller beispielsweise zur finanziellen Unterstützung der E-Schrott-Verwertung anzuhalten.“

All diese negativen marktwirtschaftlichen Umstände setzen die bestehenden Recyclingbetriebe „extrem unter Druck“, betont Powell. Die Folgen sind bereits sichtbar: „Eine Reihe von Betrieben haben bereits in Märkten aufgegeben, in denen Überkapazitäten bestehen. Fusionen und Übernahmen in der E-Schrott-Industrie nehmen zu und immer weniger neue Player kommen hinzu.“

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