Prognose für 2015

2014 war für Edelmetalle ein schwieriges Jahr. Das neue Jahr verspricht besser zu werden. Ein Ausblick für Gold, Silber, Platin und Palladium sowie für die PGM-Metalle Rhodium, Ruthenium und Iridium.

Markt für Edelmetalle: Der Optimismus überwiegt


Von Sonia Hellwig und Florian Richard, Heraeus Metals Germany GmbH & Co. KG.

2014 brachte uns die erwartete und durch die EZB forcierte Abwertung des Euros um 11 Prozent von 1,36 auf 1,20. Maßgeblich hierzu beigetragen hat der Ausblick entgegengesetzter Geldpolitiken zwischen einer normalisierenden (Anhebung Zinsniveau) Federal Reserve und einer expansiven EZB (durch Quantitative Easing).

Die Divergenz wurde hauptsächlich im zweiten Halbjahr 2014 eingepreist, in welche auch der Hauptteil der Euro-Abwertung fiel. Investoren leiten ihre Mittel zunehmend in eine wachsende US-Ökonomie, während Mittel aus einer stagnierenden Euro Zone abgezogen werden. Erschwerend hinzugekommen ist seit Dezember die wieder aufflammende Krise um Griechenland und die damit verbundene Infragestellung der Eurozonen-Stabilität als Ganzes. Ende Januar werden hier bereits wichtige Anhaltspunkte mit der EZB-Sitzung (und vermeintlich bereits dem Beschluss zum Start von großangelegten Staatsanleihen-Aufkäufen) am 22.01.2015 sowie der Griechenlandwahl am 25.01.2015 (und dem evtl. Sieg der extremen Linken) gegeben.

Da der Euro bereits deutlich abgewertet hat, sehen wir den größten Teil der Risiken derzeit eingepreist und eine weitere Abwertung bis auf 1,1500 begrenzt. Eine Erholung nach oben bis 1,26 kann möglich sein, bedingt durch das Schließen von Short-Position und die Entspannung der Griechenlandsituation. Den Durchschnittskurs für H1 2015 sehen wir bei 1,1850.

Gold

Seit 2013 befindet sich Gold im Abwärtstrend. Allerdings hat das letzte Jahr gezeigt, dass die Wucht dieser Entwicklung nachgelassen hat. So hat Gold das Jahr 2014 nahezu unverändert geschlossen und ist mit einer engeren Range (1.132 – 1.392 US-Dollar/oz) und nachgelassener Volatilität in ruhigeres Fahrwasser gekommen.

Eine Trendumkehr ist jedoch für H1 2015 nicht zu erwarten. Im letzten Quartal 2014 lief wie geplant das Quantitative Easing Programm der USA aus und so endeten nicht nur die Jahre des billigen Geldes im US-Dollarraum, sondern auch einer der maßgeblichen Treiber des gelben Metalls wurde eliminiert. Nun steht die viel diskutierte und für H1 erwartete Zinserhöhung im Vordergrund, die jedoch aufgrund wiederholter Äußerungen seitens FED bereits in Teilen eingepreist wurde. Dennoch hätte die tatsächliche Umsetzung noch einmal Signalwirkung, auch wenn sie mittel- bis langfristig keine erneut gravierende Belastung des Goldpreises darstellen sollte.

Wirtschaftsdaten aus den USA werden weiterhin im Fokus stehen, um beurteilen zu können, wann und ob die US Notenbank ihre Pläne tatsächlich umsetzen wird. Eine stabile Konjunktur wird hierfür Voraussetzung sein. Der fortgesetzt starke US Dollar sowie die fallenden Energiepreise dürften Gold weiter belasten.

Auch Investoren werden sich von der wirtschaftlichen Entwicklung leiten lassen. Sie haben sich netto betrachtet in 2014 erneut – wenn auch in deutlich geringerem Umfang als noch im Vorjahr – von ETFs getrennt, um in anderen Anlageklassen höhere Renditen zu erzielen. Die Allzeithochs an den Aktienmärkten sind Zeugnis dieser Entwicklung. Ob diese Höchststände nicht schon fast nach einer Korrektur verlangen, bleibt abzuwarten. Von einer Rückkehr zum Gold – wie in wiederholten jedoch kurzzeitigen Phasen der Unsicherheit auch in den letzten Monaten zu beobachten war – ist dann auszugehen. Bei Kleinanlegern gehen wir davon aus, dass sie weiterhin nach günstigen Zeitpunkten Ausschau halten werden, um ihr Portfolio aufzustocken und ihre Bestände halten.

Auch die Notenbanken erwarten wir netto weiterhin auf der Käuferseite. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Prognose ist das Verlangen nach einem „Sicherem Hafen“ wie Gold wieder aufgeflammt und hat den Goldpreis entsprechend unterstützt. Die erneut entfachten Turbulenzen um Griechenland haben für Verunsicherung gesorgt. Wir gehen jedoch davon aus, dass derlei Reaktion auf Unruhen – ob geo- oder finanzpolitischer Natur – moderat bleibt und das Metall nur kurz- bis mittelfristig zu Kurssprüngen verhilft. Nach den dramatischen Krisenjahren bedarf es nun extremer Situationen, um den Markt erneut längerfristig und aus Überzeugung an Gold zu binden.

Ausgleich für die Gold belastenden Faktoren vermag die physische Nachfrage aus China in den kommenden Monaten bieten. Nachdem man in 2013 im Zuge der Preiskorrektur hohe Bestände aufgebaut hatte, war die Nachfrage aus dem Reich der Mitte im letzten Jahr enttäuschend. Ein Anziehen der Nachfrage wäre nun die logische Folge – zumal sich der Trend der verlagerten Nachfrage von West nach Ost fortsetzen sollte. Weiterhin wird davon ausgegangen, dass China trotz des verhältnismäßig schwachen Jahres auch in 2014 an Platz 1 der Goldnachfrager stehen wird. Auf Platz 2 folgt Indien. Hier belasten Einfuhrzölle weiterhin die Nachfrage und führen dazu, dass die Nachfrage nach anderen Metallen zugenommen hat.

Die unausgewogene Handelsbilanz wird weiterhin dafür sorgen, dass Goldimporteuren der Einkauf erschwert wird und die Nachfrage künstlich tief gehalten wird. In höherem Maße als Gold belastet lediglich Öl die indische Handelsbilanz. Im Zuge des deutlich gefallenen Ölpreises könnte Indien auf diese Weise eine Entlastung der Bilanz erreichen und somit die Einfuhrzölle im Gold etwas wohlwollender betrachten. Bei einer Minderung der Einschränkungen dürfte die offizielle Nachfrage aus Indien wieder anziehen. Trotz positiver Anzeichen für eine anziehende Nachfrage aus Asien gehen wir nicht davon aus, dass dies den Goldpreis maßgeblich in die Höhe treiben wird. Vielmehr bietet sie Ausgleich zu den preisbelastenden Faktoren und vermag für eine gewisse Stabilität im Metall sorgen.

Aus dem Sekundärmarkt erwarten wir ein ähnlich niedriges Niveau an Altgold wie im Vorjahr. Abflüsse aus den ETF dürften nur noch moderat das Angebot erhöhen. Die primäre Goldproduktion aus Minen dürfte nach dem Erreichen eines Peaks von ca. 2.900 t in 2014 nicht weiter wachsen, bei den nun tieferen Preisen ist in vielen Fällen die Produktion nicht mehr wirtschaftlich möglich. In Anbetracht der genannten Faktoren sehen wir eine Fortsetzung des Handels in einer engeren Bandbreite bei einer Untergrenze von 1.125 US-Dollar/oz in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mit einem Durchschnittspreis von 1.230 US-Dollar/oz und Potenzial für Höchstwerte bis zu 1.325 US-Dollar/oz.

Silber

Rückblickend musste Silber speziell in der zweiten Jahreshälfte 2014 Federn lassen und handelte im Tief um 14,40 US-Dollar/oz, einem Level von Mitte 2009. Silber übertrieb damit den Preisverfall von Gold deutlich, was zu einer Gold-Silber-Ratio von über 75 führte.

Betrachtet man das gesamte Jahr 2014, so ist Silber das Schwächste aller Edelmetalle und verbuchte einen Jahresverlust von ca. 20 Prozent. Die schwächeren Notierungen sollten die Silberpreise unserer Meinung nach unterstützen. Dies begründen wir unter anderem mit einer sich erholenden Nachfrage nach Silberbarren- sowie Silbermünzen, bedingt durch die niedrigeren Preise und einem möglicherweise wieder anziehenden „safe haven“ Charakter.

Zudem erwarten wir eine robustere ETF- als auch Schmucknachfrage. Die industrielle Nachfrage sehen wir unverändert. So wird zum Beispiel weniger Silber in Silberleitpasten pro Zelle verwendet, jedoch sollte dies durch eine erhöhte Nachfrage nach Photovoltaikanlagen sowie durch neue Anwendungsgebiete (z.B. Medizin- und Nanotechnologie) ausgeglichen werden. Erfahrungsgemäß gestaltet sich das Recyclingangebot bei rückläufigen Preisen schwächer, was ein geringeres Angebot zur Folge hat. Das Recyclinggeschäft ist für 20 Prozent des globalen Silberangebotes verantwortlich. Dem gegenüber steht eine für 2014 höher prognostizierte Minenproduktion, welche letztendlich zu einem Angebotsüberschuss führen dürfte.

Zusammenfassend sollten die niedrigeren Preise Silber unterstützen. Diesbezüglich erwarten wir für das erste Halbjahr 2015, analog zu Gold, einen leicht steigenden Durchschnittspreis von 17 US-Dollar/oz und sehen das Metall in einer Bandbreite von 14,20 US-Dollar/oz bis 18,70 US-Dollar/oz. Der starke USD in Kombination mit steigenden Zinsen in den USA und geringer Inflation, dürfte hierbei allzu stark steigende Notierungen aber abbremsen. Zudem wird sich Silber auch weiterhin an der Wertentwicklung von Gold orientieren und diese gegebenenfalls stärker nachvollziehen (die historische Korrelation von Gold zu Silber beträgt 0,80). Ein Szenario von deutlich steigendenden Silbernotierungen könnte jedoch eintreten, wenn die nach wie vor zu hohen Schuldenstände der EU-Staaten wieder in das Blickfeld rücken. Der „safe haven“ Charakter wäre dann der Preistreiber.

Platin

Nach einer „glanzlosen“ Preisentwicklung Platins in 2014, die trotz des fünfmonatigen Streiks durch eine abwärts gerichtete Preisbewegung gezeichnet war, ist ein „ruhiges“ erstes Halbjahr 2015 zu erwarten. Diese Erwartung ist u.a. auf die turbulenten Ereignisse des letzten Jahres in den südafrikanischen Minen zurückzuführen. Der Streik hinterließ nach 5 Monaten seine Spuren und die Platingiganten befinden sich allmählich wieder auf 100 Prozent der Kapazität.

Laut dem World Platinum Investment Council (WPIC) kam es im vergangenen Jahr zu einem Angebotsdefizit von rund 885.000 ozs. Es waren insbesondere die überirdischen Bestände, die für Entlastung sorgten und somit den Platinpreis im vergangenen Jahr trotz des Minenstreiks fallen ließen. Die nachgewiesenen Bestände befinden sich nach einem Rückgang um 38 Prozent immer noch auf einem Niveau von 2,56 Mio. Unzen.

Wie bereits in unserer letzten Prognose erwähnt, sorgt die Automobilindustrie (Platin wird als Katalysator in Dieselfahrzeugen) weiterhin für positive Aussichten. Es sind dabei auch umweltrelevante Themen wie die Euro-5- sowie Euro-6-Emissionsnormen, die zukünftig die Nachfrage nach Platin durch höhere Loadings unterstützen. Neben der Automobilindustrie wird auch die Platinnachfrage aus der Schmuckindustrie stärker erwartet, wobei das Hauptaugenmerk besonders auf China und Indien gerichtet ist. Zudem dringen neue Anwendungen wie die Brennstoffzelle in den Markt.

Die Investorennachfrage hingegen hat im letzten Jahr im Vorjahresvergleich abgenommen und eine wenig dynamische Entwicklung hinter sich. „Lediglich“ 108 Tsd. Unzen flossen Platin ETFs im vergangenen Jahr zu. Die zunehmenden europäischen bzw. französischen Bemühungen, weniger Dieselmotoren auf den Straßen zuzulassen, um den Schadstoffausstoß zu reduzieren, könnte die Stimmung nachhaltig beeinflussen. Sowohl die Industrie als auch die Investoren dürften jedoch die niedrige Preislage für Zukäufe oder auch Preisabsicherungen nutzen, so dass im ersten Halbjahr Aufwärtspotenzial vorhanden ist. Zudem gibt das Ende letzten Jahres neu gegründete World Platinum Investment Council als neuer Lobbyverband Hoffnung auf einen stärkeren Anstieg der Investmentnachfrage.

Nach der seitwärts gerichteten Preisbewegung des letzten Quartals sehen wir für das erste Halbjahr in 2015 eine Tendenz für steigende Preise. Zusammenfassend gehen wir davon aus, dass das niedrigere Preisniveau sowohl von der Industrie als auch von Investoren genutzt wird. Darüber hinaus richten wir unser Augenmerk nach wie vor auf die robuste Nachfrage aus der Automobil- und der Schmuckindustrie, die Raum für einen Preisanstieg lassen. Wir sehen somit den Durchschnittspreis bei 1.270 US-Dollar/oz bei einer Handelsspanne von 1.125 US-Dollar/oz – 1.395 US-Dollar/oz.

Palladium

Palladium kann auf eine positive Kursentwicklung in 2014 zurückschauen. Der Preis war hauptsächlich durch vier Faktoren beeinflusst: die Ukrainekrise und die dadurch verbundene Angst um eine Angebotsverknappung aus Russland als weltweit größten Palladiumproduzenten, eine robuste Investorennachfrage, der Streik in Südafrika und zu guter Letzt die Automobilindustrie, die den Palladiumpreis am signifikantesten beeinflusst. Einige dieser Gründe haben auch dazu geführt, dass die Prämie für den industriell genutzten Palladiumschwamm temporär auf ein neues Rekordhoch gestiegen ist.

Die Sanktionen gegen Russland in der Ukrainekrise wirkten sich preisunterstützend aus, wobei die Abwärtsbewegung im Palladiumpreis um 18 Prozent von September auf Oktober letzten Jahres nicht aufgehalten werden konnte. Dennoch gelang es dem Metall, eine bessere Kursentwicklung zu erreichen als in allen anderen Edelmetallen.

Die anhaltend positive Entwicklung der Automärkte in den USA und China, in diesen beiden Regionen werden fast ausschließlich Benzinfahrzeuge abgesetzt, in denen Palladium in Katalysatoren verwendet wird, geben Hoffnung für eine anhaltende positive Entwicklung in H1 2015. So sind z.B. im Dezember die US Absatzzahlen erneut um 11 Prozent gestiegen. Insgesamt sind überdies in den USA im letzten Jahr mit 16,4 Mio. Fahrzeugen knapp 6 Prozent mehr Fahrzeuge verkauft worden als im Vorjahr. Die fallenden Ölpreise geben dabei zusätzlichen Anreiz zum Autokauf. Etwa die Hälfte des weltweiten Palladiumangebots wird in Autokatalysatoren eingesetzt, um schädliche Abgasemissionen umzuwandeln. Somit korreliert der Palladiumpreis sehr stark mit den Entwicklungen in der Automobilindustrie.

Die positive Kursbewegung im Palladium im letzten Jahr beeinflusste auch die Stimmung der Anleger. Im Vergleich zu Platin fiel die Investorennachfrage im Palladium weitaus positiver aus. So kam es in 2014 insgesamt zu einem Zufluss von 900 Tsd. Unzen, welches vor allem den neu eingeführten südafrikanischen Palladium ETFs zu Gute kam.

Für H1 2015 sehen wir den Palladiumpreis weiterhin gut unterstützt und erwarten einen Durchschnittspreis von 840 US-Dollar/oz. Die Handelsspanne setzen wir bei 740 US-Dollar/oz – 900 US-Dollar/oz an.

Rhodium, Ruthenium, Iridium

Rhodium hat sich im 2. Halbjahr 2014 tendenziell unseren Erwartungen gemäß entwickelt, wobei der Preiszuwachs noch stärker ausgefallen ist, als von uns angenommen. Allerdings sind die Höchstkurse in einer 2-wöchigen Extremphase im August erreicht worden, die auch sehr schnell, bedingt durch Gewinnmitnahmen, verlassen wurden. In dieser kurzen Zeit hat der Preis um fast 150 US-Dollar/oz zugelegt – wenn man bis an den Anfang des Halbjahres zurückgeht, sogar um insgesamt 350 US-Dollar/oz.

Getragen wurde diese Rallye durch Nachrichten über schlechte Verfügbarkeit aus Südafrika. Trotz des über 5 Monate anhaltenden Streiks in Südafrika blieben die Auswirkungen auf den Rhodiummarkt eher begrenzt. Die restlichen 4 Monate waren die Bewegungen viel geringer und ohne große Ausschläge. Rhodium hat nach wie vor seinen festen Platz in der Autoabgaskatalysator-Industrie und ist sicher auch durch die sehr gute Wirksamkeit schwer zu ersetzen. Der Durchschnittspreis der vergangenen 10 Jahre liegt immer noch bei fast 3,000 US-Dollar/oz und somit noch 2,5-fach über dem aktuellen Kurs. Daher gibt es sicher auch keinen Grund, den Einsatz dieses Metalls in der Katalysatorindustrie anzuzweifeln.

Für die PGM Produzenten war es insgesamt ein sehr schwieriges Jahr, da sich die Preise nicht so entwickelt haben, wie es logisch bzw. volkswirtschaftlich erwartet wurde. Zum einen hat sich der Streik nicht so positiv auf die Preise ausgewirkt und zum anderen waren positive Autoabsatzzahlen auch nicht mehr die Preistreiber, die sie früher einmal waren. Natürlich sind auch im Rhodium Investoren zugange, die versuchen, ihre Portfolios mit Nischenprodukten aufzuwerten. Absolut gesehen sind diese im Verhältnis zu großen Anlageklassen eher gering, aber für den Rhodium-Markt insgesamt preisbeeinflussend. Die Aussagekraft der Angebots- und Nachfragestatistiken ist daher nur begrenzt und umso schwerer sind dementsprechend Vorhersagen zu treffen.

Andere Industriezweige, die Rhodium im Einsatz haben, spielen weiterhin nur eine untergeordnete Rolle. Erwähnenswert sind hier die chemische Industrie sowie die Glasindustrie. In Anbetracht der globalen wirtschaftlichen Lage und der hohen Bedeutung der Autoindustrie für den Rhodiummarkt, sind wir für den Preis verhalten optimistisch. Sollten sich die positiven US Auto-Absatzzahlen fortsetzen und die weltweite Autokonjunktur stabil zeigen, dann erwarten wir für die nächsten 6 Monate einen Rhodium Durchschnittskurs von 1.250 US-Dollar/oz. Die Höchst- und Tiefstkurse sehen wir bei 1.415 bzw. 1.125 US-Dollar/oz. Die deutlich verbilligten Benzinpreise wirken unterstützend, zum einen um geplante Neuanschaffungen von Fahrzeugen früher in Angriff zu nehmen und zum anderen wieder größere Fahrzeuge zu kaufen. Dies wird dazu beitragen die Nachfrage nach Rhodium zu unterstützen.

Ruthenium war im 2. Halbjahr sicherlich für fast alle Marktteilnehmer eine große Enttäuschung. Im Prinzip bewegte sich der Preis in den Monaten Juli/ August und von Oktober bis Dezember jeweils von Anfang bis zum Ende auf fast gleichem Niveau. Nur von Ende August bis Anfang/ Mitte Oktober gab es eine größere Preisveränderung, die allerdings ohne Gegenbewegung nur nach Süden ging. Der Preis hat sich in dieser Zeit um 10 US-Dollar/oz, von 68 US-Dollar/oz auf 58 US-Dollar/oz, abgeschwächt.

Käufer, die etwas Geduld bewiesen haben, waren im gesamten Halbjahr die Gewinner. Für aktive Verkäufer hingegen hat sich die Marktkonstellation insgesamt als schwierig erwiesen. Allerdings ist dies, wie in unseren Wochenberichten ausgiebig erwähnt, nicht sehr häufig passiert, da es schon größerer Mengen bedurft hätte, einen substantiellen Ertrag zu erwirtschaften. Diese Größenordnungen waren aber nicht platzierbar, da dies der Markt schlichtweg nicht hergegeben hat. Die in diesem Metall dominierende Elektronikindustrie hat verhältnismäßig wenig gekauft, da es momentan bei allen „Big Players“ noch ausreichend Bestände gibt bzw. gegeben hat. Analog zu Rhodium spielen die nächstgrößeren Anwender keine große Rolle und nehmen dementsprechend wenig Einfluss auf das Marktgeschehen. Die Chemische und Elektrochemische Industrie waren ein stabiler Abnehmer im Berichtszeitraum.

Wir sehen den Höchst- und Tiefstkurs für die nächsten 6 Monate bei 70 US-Dollar/oz, 53 US-Dollar/oz und den Durchschnittskurs bei 60US-Dollar/oz.

Bei Iridium hat sich das Umfeld in den ersten beiden Monaten des 3. Quartals so weiterentwickelt, wie wir das schon im gesamten 1. Halbjahr gesehen haben. Die Nachfrage aus fast allen Anwendungsgebieten war stabil und somit hat sich der Preis auf einem hohen Niveau gehalten bzw. ist sogar noch einmal leicht bis auf 630 US-Dollar/oz gestiegen. Danach ist es allerdings 3 Monate nur noch bergab gegangen und der Preis erreichte sein bis dato tiefstes Niveau von 500 US-Dollar/oz. Dieses Level wurde von uns mehrfach in unserem Wochenbericht als psychologische Unterstützung erwähnt.

Fallende Märkte haben oftmals eine lähmende Wirkung, da potenzielle Käufer, die keine Eile für die Beschaffung haben, einfach abwarten und den Preis beobachten. Seit Anfang Dezember gab es keine aktiven Verkäufer und bei gleichbleibend bzw. sogar steigendem Bedarf, insbesondere aus der Chemischen und Elektrochemischen Industrie und aus dem Sektor Elektronik (Zündkerzen), hat der Preis wieder um fast 10 Prozent zugelegt. Die Nachfrage kam hauptsächlich aus Asien und Europa.

Bei weiterhin starkem Bedarf, insbesondere von der Automobilindustrie, könnten wir uns noch einmal leicht steigende Kurse für das kommende Halbjahr vorstellen. Hier wird zu beobachten sein, inwieweit Minen diese Nachfrage bedienen können, um den Preis nicht zu volatil werden zu lassen, da dies bei Metallen mit einem starken industriellen Charakter langfristig gesehen immer negativ ist. Wir sehen den Höchst- und Tiefstkurs bei 640 US-Dollar/oz, 485 US-Dollar/oz und den Durchschnittskurs bei 565 US-Dollar/oz.

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