Zwischenbilanz

Die vom Bundesumweltministerium geförderte Anlage zur Abwasserreinigung hat den ersten Praxistest bestanden. Nun soll das Verfahren auf andere Anwendungen übertragen werden.

Pilotanlage zur Salz-Rückgewinnung funktioniert


Die neue und vom Bundesumweltministerium geförderte Pilotanlage in Krefeld-Uerdingen zur umweltfreundlichen Rückgewinnung von Salz und Wasser aus Industrieabwasser hat sich bewährt. Genau ein Jahr nach der offiziellen Inbetriebnahme des Recycling-Verfahrens zieht der Anlagenbetreiber Covestro eine überwiegend positive Bilanz aus dem Betrieb der Anlage.

„Die Anlage läuft nun seit gut einem Jahr. Wie es bei Pilotanlagen so ist, gibt es noch einige Stellschrauben, an denen gedreht werden muss, um den Betrieb weiter zu optimieren“, erklärt Uerdingens Standortsprecher Jürgen Meyn. Das Unternehmen Covestro sucht neue Wege zur möglichst umweltverträglichen Rückgewinnung von Salz und Wasser aus Industrieabwasser. Kochsalz ist der Ausgangsstoff für die Elektrolyse, um das wichtige Vorprodukt Chlor herzustellen. Ziel ist es, das gereinigte Abwasser aus der Polycarbonat-Produktion wiederzuverwerten und bei der Chlor-Produktion einzusetzen.

„Die Herausforderung in der Nutzung von verdünntem salzhaltigem Abwasser bestand darin, dass keine Verunreinigungen enthalten sein dürfen. Diese können zu Schädigungen in der Elektrolyse führen. Wir haben keine negativen Einflüsse feststellen können. Alles funktioniert wie gehabt“, stellt Betriebsleiter Thorsten Rische zufrieden fest. Die neue Technologie verringert damit den Salzgehalt in Gewässern wie dem Rhein und schont die Trinkwasser-Ressourcen. Jetzt sollen die nächsten Schritte eingeleitet werden. „Wir wollen den Durchsatz schrittweise steigern. Damit erzielen wir weitere Einspareffekte“, so Thorsten Rische.

Anlage hat Modellcharakter

Die Pilotanlage in Uerdingen hat Modellcharakter und soll auch auf andere Anwendungen mit verdünnten salzhaltigen Abwässern übertragen werden. Im Rahmen des Nachfolgeprojektes „Re-Salt“ entwickelt die Covestro Deutschland AG gemeinsam mit Partnern Technologien zur Aufkonzentration von NaCl-haltigen Abwässern. Eine Demonstration in einem ersten kleineren technischen Maßstab am Standort Uerdingen ist demnächst ebenfalls geplant.

Anfang 2016 nahm Bundesumweltministerin Barbara Hendricks die neue Pilotanlage offiziell in Betrieb. Das Bundesumweltministerium hat die Anlage als hervorragendes Beispiel für die Umsetzung des Kreislaufgedankens in der Industrie mit rund 740.000 Euro gefördert. Die gesamten Investitionskosten belaufen sich auf etwa 3,7 Millionen Euro.

Covestro, ehemals Bayer MaterialScience, zählt mit einem Umsatz von 11,9 Milliarden Euro im Jahr 2016 zu den weltweit größten Polymer-Unternehmen. Geschäftsschwerpunkte sind die Herstellung von Hightech-Polymerwerkstoffen. Die wichtigsten Abnehmerbranchen sind die Automobilindustrie, die Elektro-/Elektronik-Branche sowie die Bau-, Sport- und Freizeitartikelindustrie. Covestro produziert an 30 Standorten weltweit und beschäftigt rund 15.600 Mitarbeiter.

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