Cats for Future

kostenpflichtig
Mineralische Streu ist beliebt bei Katzenhaltern. Doch sie verursacht Umweltprobleme und muss verbrannt werden. Als Alternative kommt pflanzliche Streu in Frage. Doch ist die wirklich besser?

EU-Initiative fordert Verbot mineralischer Katzenstreu


Die Katze ist das beliebteste Haustier der Deutschen. Im Jahr 2020 lebten rund 15,7 Millionen Katzen in den deutschen Haushalten – in keinem anderen westeuropäischen Land werden so viele Katzen gehalten. Die Kehrseite dieser Spitzenposition: Katzen sorgen für ein großes Müllproblem. Allein in Deutschland fallen jedes Jahr über 630.000 Tonnen mineralische Streu als Müll an. Wiederverwerten lässt sich die Katzenstreu nicht, größtenteils wird sie verbrannt.

Die EU-Vereinigung Plant Litter Association fordert daher ein Verbot mineralischer Streu bis 2030. Mit der Initiative „Cats for Future“ will die PLA die Öffentlichkeit auf das Müll- und Umweltproblem aufmerksam machen. Unterstützt wird die Vereinigung dabei von Wissenschaftlern und NGO.

Mineralische Streu besteht aus nicht erneuerbaren natürlichen Tonmineralien wie beispielsweise Bentonit oder auch dem als Meerschaum bekannten Mineral Sepiolith. Mineralische Streu bindet nicht nur große Mengen an Flüssigkeit, sondern auch Gerüche. Zudem ist sie kostengünstig. Das alles macht sie bei neun von zehn deutschen Haushalten beliebt, erklärt die PLA-Initiative. Mineralische Streu ist jedoch auch schwer und muss über weite Strecken transportiert werden. Betonit, Tonerden und Sepiolith stammen vorwiegend aus Minen in Afrika, Kanada oder Spanien.

Daneben gibt es auch Silikat-Streu. Sie besteht hauptsächlich aus Quarzsand. Sie ist zwar leichter als Mineralstreu, ihre Herstellung erfordere allerdings einen hohen Energieeinsatz, so die PLA-Initiative. Einer der größten Produzenten von Silikatstreu ist China. In Deutschland muss Silikat- wie auch Mineralstreu über den Restmüll entsorgt werden und landet damit in der Müllverbrennung. Da Betonit und Silikat unbrennbar sind, bleiben sie in der Schlacke zurück, die anschließend deponiert werden muss.

Pflanzliche Streu: Wirklich ein Fall für die Biotonne?

Als nachhaltigere Alternative bieten sich pflanzliche Produkte an. Diese werden zumeist aus Sekundärrohstoffen der Getreideverarbeitung und holzverarbeitenden Industrie hergestellt. Laut „Cats for Future“ sind sie effizienter als mineralische Streu. In einem Katzenhaushalt würden dadurch jährlich durchschnittlich nur 64 Kilogramm als Müll anfallen. Das wären über 200 Kilogramm weniger Müll, als bei der Nutzung mineralischer Streu. Ein weiterer Vorteil: Die nötigen Rohstoffe fallen hierzulande an. Dadurch seien nur kurze Transportwege nötig.

Hinzu kommt, dass bei pflanzlicher Streu eine Entsorgung im Bioabfall grundsätzlich möglich und unproblematisch ist. In ersten Gemeinden in Deutschland und Frankreich sei die Entsorgung von pflanzlicher Katzenstreu im Biomüll bereits möglich. Hier sieht „Cats for Future“ die Politik gefordert, um einheitliche Rahmenbedingungen für eine flächendeckende Entsorgung pflanzlicher Streu im Biomüll zu schaffen. Als Argument führt die Initiative an, dass pflanzliche Streu industriell kompostierbar sei. Somit könne sie einen Beitrag in der Methanisierung und Gewinnung von Biogas leisten.

Doch völlig unproblematisch ist pflanzliche Streu nicht. Denn Katzenstreu kann mitsamt dem Tierkot problematische Inhaltsstoffe enthalten. Es ist nicht auszuschließen, dass der Kot Träger von Krankheitserregern wie Toxoplasmose ist. Über den Kontakt mit Katzenkot können sich auch Menschen mit Toxoplasmose infizieren. Zwar ist Toxoplasmose eine normalerweise harmlose Infektionskrankheit, die fast immer ohne Beschwerden und daher unbemerkt abläuft. Bei einer Schwangerschaft allerdings kann die Infektion auf das ungeborene Kind übergehen und bei ihm schwere Komplikationen und Missbildungen verursachen beziehungsweise eine Früh- oder Totgeburt auslösen.

Katzenstreu ist aus hygienischen Gründen daher generell von der Bioabfallsammlung ausgeschlossen. Darüber hinaus stellen Tierfäkalien auch für die Kompostierung ein hygienisches Problem dar.

320°/mk

Mehr zum Thema
Wertlose CO2-Zertifikate?
Deloitte gründet Nachhaltigkeits-Gesellschaft
Studie: Grüne Wasserstoff-Importe könnten 2030 wettbewerbsfähig sein
Die Finnen sind am nachhaltigsten
„Erstes klimaneutrales Zementwerk der Welt“
Opel-Werk soll mit Energie aus Geothermie betrieben werden
Von der Leyen kündigt neuen Industrieplan an
Flughafen-Bodenfahrzeuge in Amsterdam tanken erneuerbaren Diesel
Rock Tech kann mit Bau von Lithium-Produktionsanlage beginnen
Europas größtes Vorkommen seltener Erden entdeckt
Umwelthilfe fordert Ökobilanz-Prüfung vor Gebäudeabriss
Studie: Ölkonzerne setzen auf Biokraftstoffe – und lassen Wasserstoff links liegen