Wasserstoffantrieb

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Ein Jahr lang werden fünf große Logistikkonzerne einen Wasserstoff-Lkw testen. Das Fahrzeug wird unter anderem von MAN entwickelt - auch wenn der Lkw-Hersteller kurzfristig eine andere Antriebstechnologie bevorzugt.

Fünf Großkunden testen Wasserstoff-Lkw


Für den MAN-Vorstandsvorsitzenden Alexander Vlaskamp ist der Einsatz von Wasserstoff in Automobilen und Lastwagen derzeit nicht wirtschaftlich: Drei Viertel der Ausgangsenergie würden für Umwandlungsprozesse verloren gehen, moniert er. So könnten mit einem Windrad dreimal mehr E-Lkw als Wasserstoff-Lkw betrieben werden. Hinzu komme, dass grüner Wasserstoff nicht ausreichend verfügbar sei und zunächst in Industrien zur Stahlherstellung oder der Chemie zum Einsatz kommen werde.

Im Schwerlastverkehr sieht der MAN-Chef den Einsatz von Wasserstoff-Brennstoffzellen daher erst „in der Welt von morgen und übermorgen“, sagte er bei einem Ortstermin mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger im MAN-Werk in Nürnberg. Aiwanger konterte prompt: In China würden bereits erste Lastwagen mit Brennstoffzellen ausgerüstet, sagte er – hergestellt zum Teil in Bayern.

8,2 Millionen Euro Förderung für Bayernflotte

Trotz der offen vorgetragenen Skepsis gegenüber Wasserstoffantrieb möchte MAN bei der Wasserstofftechnik eigene Kompetenzen aufbauen und hat das Wasserstoff-Forschungsprojekt „Bayernflotte“ gestartet. In dem Projekt entwickelt MAN zusammen mit den Industriepartnern Bosch, Faurecia und ZF fünf Prototypen eines Brennstoffzellen-Lkw.

Die Fahrzeuge sollen Mitte 2024 an fünf Logistikpartner zur Erprobung ausgeliefert werden. Die Unternehmen BayWa, DB Schenker, Gress Spedition, Rhenus Logistics und Spedition Dettendorfer werden den Angaben zufolge ihre mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzellen-Trucks für ein Jahr im realen Einsatz testen.

Der Freistaat Bayern fördert das Projekt mit 8,2 Millionen Euro. Bei dem Termin in Nürnberg übergab Aiwanger dem MAN-Chef den entsprechenden Förderbescheid: Der Fahrzeug-Umbau und die Integration neuer Kompetenten wird mit 4,64 Millionen Euro, die Entwicklung neuer Komponenten mit 3,54 Millionen Euro unterstützt.

H2-Lkw nicht vor 2030 lohnend

In der kurzen Frist setzt MAN jedoch stärker auf batterieelektrische Antriebe. „Sie bilden die Grundlage für unsere schweren E-Trucks, die wir ab 2024 auf den Markt bringen“, sagt der MAN-Chef. „Erst wenn weit nach 2030 ausreichend grüner Wasserstoff und auch die entsprechende Infrastruktur vorhanden sein sollte, rechnen wir in ausgewählten Anwendungsgebieten auch mit dem Einsatz von H2-Lkw.“

Bei dem Ortstermin in Nürnberg stellte MAN den ersten Prototyp eines schweren E-Trucks vor. Die ersten 200 Stück sollen ab 2024 im MAN E-Mobility-Hauptwerk München gefertigt werden. Daten wie Reichweite oder Nutzlast stellt MAN noch nicht zur Verfügung. Dafür sei es noch zu früh, sagte ein MAN-Sprecher auf Anfrage von 320°. Den Truck werde es in vielen Ausführungen geben.

MAN-Chef Vlaskamp geht davon aus, dass ab 2024 die Nachfrage nach E-Lkw stark anziehen wird. In den nächsten Jahren werde es möglich sein, Reichweiten von bis zu 1.000 Kilometern mit batteriegetriebenen Lastwagen zu erzielen. Gemeinsam mit Volvo und Daimler will MAN in den nächsten fünf Jahren europaweit 1.700 Ladepunkte schaffen. Dafür werden 500 Millionen Euro investiert.

320°/dpa/er

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