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BIR-Herbsttagung in Warschau

Stahlaktionsplan gefährdet Recycling

Für die internationale Stahlschrottwirtschaft mehren sich die Anzeichen, dass die Preise wieder nach oben zeigen werden. Doch ausgerechnet die Europäische Kommission könnte einen Strich durch die Rechnung machen.

Die internationale Stahlschrottwirtschaft hat schon viele Zeiten erlebt. Gute, phantastische, schlechte und auch katastrophale. Der bisherige Verlauf des Jahres war eher schlecht, aber zum Jahresende sieht es so aus, als ob sich der Markt noch drehen wird. Für das letzte Quartal stehen die Chancen gut, dass auch in den Monaten November und Dezember die Preise steigen oder zumindest stabil bleiben werden.

Die zweite Hälfte im Oktober hat bereits Marktbewegungen in diese Richtung gezeigt. Die internationalen Schrottpreise sind um 15 bis 20 Euro je Tonne gestiegen, berichtete Tom Bird, Delegierter der Stahlschrott-Sparte im BIR und Präsident der European Ferrous Recovery and Recycling Federation, auf der BIR-Herbsttagung in Warschau. Er geht davon aus, dass die Preise im November mindestens stabil bleiben. Die Schrottbestände sind europaweit begrenzt, so dass eine eventuell stärkere Schrottnachfrage steigende Preise nach sich ziehen könnte. Hinzu kommt laut Bird eine vergleichsweise starke Nachfrage aus den östlichen Mittelmeerländern gekoppelt mit einem generell knappen Angebot. Und auch die Schrottnachfrage aus der Türkei könnte sich wieder erholen. Im kommenden Jahr werde die Stahlproduktion in der Türkei wieder steigen, prognostizierte Veysel Yayan, Generalsektetär des türkischen Stahlverbands TCÜD, auf der BIR-Tagung.

Das wäre die eigentlich wichtige Nachricht. Die Türkei ist der weltweit größte Importeur von Stahlschrott. Ihr wichtigster Lieferant ist die EU; sie stellt mehr als die Hälfte aller Schrottmengen, die die Türkei importiert. Rund 30 Prozent kommen aus den USA. Entsprechend groß ist die Bedeutung der türkischen Schrottnachfrage für Deutschland und die EU. Läuft es in der Türkei nicht rund, leidet auch der deutsche und europäische Schrotthandel – so wie in diesem Jahr.

Von Januar bis August dieses Jahres hat die Türkei nach den offiziellen Zahlen des türkischen Stahlverbandes TCÜD rund 12,5 Millionen Stahlschrott importiert. Das sind 2,6 Millionen Tonnen weniger als im Vorjahreszeitraum. Auf das ganze Jahr hochgerechnet wird sich die Menge der Schrottimporte voraussichtlich auf 19,5 Millionen Tonnen belaufen. Im Jahr 2012 waren es noch 22,4 Millionen Tonnen.

Die rückläufige Schrottnachfrage ist im Wesentlichen die Folge der weltweit bestehenden Überkapazitäten in der Stahlwirtschaft. Die OECD beziffert die  globale Überschuss auf 542 Millionen Tonnen. Davon entfallen knapp 200 Millionen Tonnen auf China. Die Organisation schätzt, dass 2014 die weltweite Produktionskapazität nochmals um 118 Millionen Tonnen auf insgesamt 2,171 Milliarden Tonnen steigen wird.

Aber bereits jetzt sind die Folgen gravierend. Mehrere Stahlwerke in der EU wurden schon stillgelegt, einige Werke mussten ihre Produktion drosseln, rund 40.000 Arbeitsplätze gingen auf diese Weise in den vergangenen Jahren verloren. In der EU gibt es nur noch zwei Stahlwerke, die Gewinn machen, sagte Christian Rubach, Präsident der Stahlschrott-Sparte im BIR, auf der Herbsttagung in Warschau. „Der Rest macht Verluste.“

Die Warnleuchten sind längst aufgeleuchtet, auch bei der Europäischen Kommission. Sie hat im Juni dieses Jahres den so genannten Stahlaktionsplan aufgelegt, der dazu beitragen soll, dass Europa eine “bedeutende Region der Stahlerzeugung” bleibt, wie es in dem Papier heißt. Dafür will die Kommission unter anderem den Zugang zu Rohstoffen sicherstellen. Auch an anderen Stellen will sie für Erleichterung sorgen, etwa bei der Belastung durch Energiekosten.

Von daher verwundert es nicht, dass sie auch den Schrottmarkt ins Visier nimmt. “Angesichts der Herausforderungen, denen Europa beim Zugang zu günstiger Energie und günstigen Rohstoffen gegenübersteht, erscheint es wirtschaftlich sinnvoll, den Anteil des aus Schrott erzeugten Stahls zu maximieren”, schreibt die Kommission im Stahlaktionsplan. Dazu will sie die Schrottmärke stärker überwachen. Und das, befürchten Recycler, verheißt nichts Gutes.

In Warschau haben gleich mehrere Vertreter der BIR-Stahlschrottsparte vor einer Beschränkung des freien Handels gewarnt. Sie befürchten, dass Schrottexporte künftig stärker kontrolliert werden und unter dem Deckmantel des Umweltschutzes schlicht Schrottexprote verhindert werden sollen. Die Kommission selbst drückt es etwas verquerter aus. Sie schreibt im Stahlaktionsplan: “Angesichts der geringeren CO2-Emissionen bei der Aufarbeitung von Schrott in Europa könnten ggf. nichtdiskriminierende Maßnahmen aus Umweltschutzgründen erwogen werden, um eine Verlagerung von CO2-Emissionen in Nicht-EU-Länder zu vermeiden, sofern derartige Maßnahmen keine unmittelbaren oder mittelbaren Ausfuhrbeschränkungen nach sich ziehen.”

Für die Stahlrecycler ist klar, dass damit ein Eingriff in die Schrottmärkte droht. In der Praxis wäre das nichts anderes als eine Handelsbeschränkung durch die Hintertür, sagte EFR-Präsident Tom Bird in Warschau.

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