E-Schrott

Zwei Recyclingstandards amerikanischer Machart wetteifern bereits um den Führungsanspruch. Zwei europäische könnten bald dazukommen. Die Niederlande machen unterdessen Nägel mit Köpfen.

Wettbewerb der Recyclingstandards


Die Niederlande schaffen vollendete Tatsachen. Während E-Schrott-Recycler andernorts noch darüber nachdenken, ob es sinnvoll sein könnte, sich nach einem der international anerkannten Recyclingstandards für die Verwertung von E-Schrott zertifizieren zu lassen, wird es für niederländische Recyclingbetriebe künftig keine Qual der Wahl mehr geben.

„Ab 1. Juli 2015 dürfen nur noch registrierte und zertifizierte Betriebe E-Schrott recyceln“, kündigte Jan Vlak auf dem International Electronics Recycling Congress (IERC) in Salzburg an. Bis dahin müssten sich alle E-Schrott-Recycler in den Niederlanden nach dem WEEELABEX-Standard (WEEE Label of Excellence) zertifizieren lassen, sagte der Geschäftsführer des niederländischen Rücknahmesystems Wecycle. Zum 14. Februar, also pünktlich zur Deadline, die Brüssel den EU-Mitgliedstaaten zur Umsetzung der neuen WEEE-Direktive in nationales Recht gesetzt hat, wird die Regelung dann auch per Gesetzestext vorgeschrieben sein.

Den Betrieben wird die Zertifizierung nach WLX allerdings durchaus versüßt. “ Die betreffenden Betriebe bekommen eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 5.000 Euro“, sagte Vlak. Wer sich vor dem Stichtag im kommenden Jahr nach dem WEEELABEX-Standard zertifizieren lässt, bekommt noch 20 Euro pro Tonne obendrein.

Bislang gilt der WEEELABEX allerdings nur für die Mitgliedsorganisationen des WEEE-Forums, einer europäischen Vereinigung von knapp 40 Sammel- und Verwertungssystemen. Das WEEE-Forum hat seinen Standard aber inzwischen dem europäischen Standardisierungskomitee der Europäischen Elektro- und Elektronik Industrie, CENELEC, vorgelegt. Noch in diesem Jahr könnte er zur EU-Norm werden.

In diesem Fall würden die Standards des WEEELABEX für die Sammlung und den Transport von Elektroaltgeräten innerhalb der EU gelten. Neben Recyclingunternehmen sollen sich demnach auch Rücknahmesysteme verpflichten, den Standards zu entsprechen. Die Kontrolle ist über akkreditierte Zertifizierungsstellen und unabhängige Auditoren vorgesehen.

Neben dem WEEELABEX ist noch ein weiterer europäischer Standard in der Vorbereitung. Im vergangenen Jahr haben sich vier große Endverarbeiter von E-Schrott zusammengetan und einen eigenen, weltweit geltenden Standard zur Verarbeitung von WEEE-Fraktionen aus der Taufe gehoben, den sogenannten WEEE End-Processor Standard. Neben Aurubis, Boliden, Umicore und Xstrata haben auch die Branchenorganisationen Eurometaux und die European Electronics Recyclers Association (EERA) diesen Standard mitausgearbeitet. Dieser soll weiter ausgebaut werden und auch anderen Endverarbeitungsprozessen, etwa für Aluminium, Glas oder Kunststoffe als Plattform zur Verfügung stehen.

Darüber hinaus gibt es die bereits international anerkannten Standards e-Stewards und R2. Beide kommen aus den USA und verdanken ihre Bedeutung dem Green-IT-Label EPEAT. Der R2-Standard ist inzwischen überarbeitet und in aktualisierter Form als R2:2013 vorgestellt worden. Er definiert zusätzlich zur US-Gesetzgebung Qualitätskriterien und Prozesse. Diese beschränken sich nicht nur auf den Erstrecycler, sondern gelten auch für alle nachgelagerten Akteure in der Recyclingkette. Der Standard bezieht auch Kupferhütten und Stahlwerke ein. Um die Einhaltung der vorgeschriebenen Kriterien zu überwachen, werden die Firmen regelmäßig überprüft.

Für europäische Recyclingunternehmen dürfte es relativ einfach sein, sich nach dem R2-Standard zertifizieren zu lassen. Denn dieser umfasst viele Dinge, die in Europa gang und gäbe sind. Unternehmen, die beispielsweise nach ISO 14.001 zertifiziert sind, könnten den Standard mit wenig Aufwand ergänzen. Allerdings ist die Auditierung kostenpflichtig und wesentlich teurer als die Zertifizierung nach ISO 14.0001 oder als Entsorgungsfachbetrieb.

Der e-Steward geht in manchen Punkten weiter als der R2-Standard – zumindest was die Dokumentationspflichten betrifft. So wird die Zertifizierung nach ISO 14001 vorgeschrieben. Wer sich nach dem e-Steward zertifizieren lassen will, muss ferner gewährleisten, dass er keinen belasteten E-Schrott auf Deponien entsorgt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt darauf, dass keine gesundheits- und umweltschädliche Stoffe in Nicht-OECD-Länder exportiert werden. Darüber hinaus nimmt er den ökologischen Fußabdruck eines Unternehmens unter die Lupe. Wie beim R2-Standard ist auch eine e-Stewards-Zertifizierung kostenpflichtig. Die Lizenzgebühr geht dabei über das Audit hinaus und ist jährlich fällig.

Europäische Recycler sehen die beiden Standards mit kritischen Augen, zumal in Europa bereits hochwertige Standards bestehen. Für Unternehmen, die an einem Markteintritt in den USA interessiert sind, ist es allerdings praktisch unumgänglich, sich nach einem dieser beiden Standards zertifizieren zu lassen.

Mehr zum Thema
Kupfer aus der Mine – nur eben umweltfreundlich
Aus Restholz wird Pflanzenkohle – und CO2-negative Wärme
Aus Restmüll wird biobasierter Thermoplast
Kies und Sand dürften noch knapper und teurer werden
Airbus und Neste wollen SAF skalieren
EU schlägt Zielquoten für weniger Verpackungsmüll vor
So plant Schleich die Kreislaufwirtschaft
Steinpapier – eine nachhaltige Alternative oder eher nicht?
Einwegkunststoffe: Wie teuer wird es für die Hersteller?
Flüssiggas aus Katar soll Deutschland helfen
Eine Bioökonomie mit Grünschnitt