Hoffen auf den Aufschwung

Weniger Handel in China, mehr in den USA, und eine uneinheitliche Entwicklung in Italien: Der BIR-Marktbericht zeigt, dass die internationalen Schrottmärkte derzeit nur eines gemein haben: die Schrottknappheit.

Marktbericht für NE-Metalle


Erst die Weihnachtsfeierlichkeiten in der westlichen Welt und dann der Jahreswechsel in China Ende Januar: Der internationale Schrotthandel mit NE-Metallen ist zwischen den Feiertagen etwas zum Erliegen gekommen. So berichtet David Chiao von der Uni-All-Group im aktuellen Bericht des Weltrecyclingverbands BIR, dass in China derzeit eher wenige Geschäfte getätigt werden. Die Schrotteinkäufe lägen allerdings auch deutlich unter den Werten vom Jahr zuvor. Schon im Dezember 2013 wurden demnach 10 Prozent weniger Kupferschrotte und 6,5 Prozent weniger Aluminiumschrotte eingeführt als im Vorjahreszeitraum.

Insgesamt ist der Schrottmarkt in China bezüglich Nachfrage und Angebot laut Chiao aber ausgeglichen. Die Zeichen stünden wieder auf Wachstum. Die Aktion „Green Fence“ habe die Schrottwirtschaft selbst überrascht. Obwohl die strengen Einfuhrkontrollen von Schrotten zwar offiziell seit Dezember 2013 beendet sind, rechnet der Experte nicht damit, dass es an den Einfuhrhäfen in diesem Jahr „relaxter zugehen wird“.

Aus Indien berichtet Dhawal Shah von Metco Marketing mit gemischten Gefühlen. Trotz guter Entwicklung der heimischen Währung und Börse sei der Funke nicht auf die produzierende Wirtschaft übergesprungen. Liquiditätsprobleme setzen viele Unternehmen – so auch die Schrottverarbeiter – unter Druck. Shah macht für die schleppende Entwicklung in seinem Land vor allem die Regierung verantwortlich, die mehr auf Dienstleistung denn auf Förderung der heimischen Industrie setzt. Große Hoffnungen projizieren daher viele auf die kommenden Wahlen im April und damit auf eine neue Regierung, die das produzierende Gewerbe unterstützt.

Einen deutlichen Aufschwung der Wirtschaft kann dagegen Japan vorweisen. Allein die Autoherstellung hat im November 2013 um 10,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat angezogen. Da auch der Hausbau im vergangenen Jahr um 7,1 Prozent zugelegt hat, ist auch die Aluminiumproduktion deutlich gestiegen: Im Oktober 2013 lag sie um 7 Prozent über dem Wert von Oktober 2012. Die Schrottpreise seien dank der guten Nachfrage und knapper Verfügbarkeit im Land allein von November zu Dezember um 30 bis 50 US-Dollar pro Tonne gestiegen. Diese Zahlen legt Shigenori Hayashi von Daiki Aluminium Industry im BIR World Mirror vor. Der Experte rechnet damit, dass Schrotte weiterhin knapp bleiben, da die Importzahlen stetig fallen. In einem Blick auf die Nachbarländer berichtet Hayashi von eher wenige erfreulichen Entwicklungen. So steht Indonesien möglicherweise vor einer Inflation und in Thailand bricht gerade die heimische Nachfrage stark ein. 29 Prozent weniger Autos als im Jahr 2012 sind vergangenes Jahr gekauft worden. Das belastet auch die Schrottnachfrage in der Region.

Auch in den USA blickt die Schrottindustrie auf die Automobilproduktion. Um 3 Prozent sollen die Verkäufe von Leichtfahrzeugen in diesem Jahr ansteigen. Das wird auch positive Auswirkungen auf den Sekundärmarkt für Aluminium haben, glaubt Andy Wahl von Newell Recycling of Atlanta. Die Preise für Primäraluminium schwanken zurzeit stark: teilweise zwischen 264 US-Dollar bis zu 385 US-Dollar pro Tonne innerhalb weniger Tage. Auch für Kupfer unterscheiden sich die Preise oft um über 40 US-Dollar in kurzer Zeit. Grund hierfür sind laut Wahl vor allem die Spekulationen der Händler und Käufer.

Aus Deutschland berichtet Ralf Schmitz vom Verband deutscher Metallhändler (VDM) von einem schwierigen Jahr für seine Mitglieder. Viele Käufer lassen sich nur noch auf Kurzkontrakte ein, Schrotte waren nicht ausreichend verfügbar. Für 2014 erwartet er aber eine spürbare Verbesserung und damit auch steigende Preise.

Derweil schauen die nordischen Staaten gespannt auf Deutschland. Vor dort erhofft sich Ola Eklund von Kuusakoski aus Finnland dank eines prognostizierten Aufschwungs im Bausektor eine steigende Nachfrage. Für Finnland selbst geht Eklund von einem leichten Wirtschaftswachstum und damit einem Produktionsanstieg aus. Auch für Schweden, Dänemark und Norwegen wird ein Wachstum zwischen ein und zwei Prozent erwartet.

Uneinheitlich ist der Schrottmarkt derzeit in Italien. Während beispielsweise wenig Messingschrott nachgefragt wird, weil die Käufer auf niedrigere Preise warten, ist Kupferschrott gerade heiß begehrt. Allerdings könnten die Händler die Nachfrage nicht bedienen – Kupferschrott ist nach Angaben von Fernando Duranti von Met. Extra gerade sehr knapp. Auch Bleischrott ist in Italien derzeit kaum noch vorhanden. Zinkschrotte hingegen seien leicht zu bekommen. Die Händler orientieren sich aber laut Duranti bei den Preisen für Zink an der Londoner Metallbörse. Der Markt für Aluminiumschrotte läuft hingegen schleppend. Verkäufe werden eher bei niedrigen Preisen getätigt.

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