Folgen der geplanten Energiewende

Eine Studie des Öko-Instituts hat die Auswirkungen der aktuellen Pläne zur Energiewende untersucht. Herausgekommen sind Schlussfolgerungen und Empfehlungen, die geeignet sind, den Entsorgungsmarkt umzukrempeln.

Studie hält MVA für Auslaufmodell


Die Studie, die heute in Berlin vorgestellt wurde, hat das Öko-Institut im Auftrag des BDE erstellt. Zugrunde liegt die Annahme, dass die bestehenden Beschlüsse der Bundesregierung zur Energie- und Klimapolitik auch tatsächlich umgesetzt werden. Unter diesen Umständen wären drastische Folgen für die Abfallwirtschaft zu erwarten, geht aus der Studie hervor.

Die klassische Müllverbrennung würde nämlich ihre dominierende Rolle gänzlich einbüßen. So werde es in Deutschland bis spätestens 2040/2050 nur noch einen Bedarf von wenigen MVAs mit einer Kapazität von maximal 5 Millionen Tonnen pro Jahr geben, stellt der BDE klar. Hierfür würden bundesweit etwa 10 Anlagen reichen. Die Verbrennungsmenge würde somit um rund 70 Prozent fallen.

Folie1Die Umstellung auf erneuerbare Energien ziehe eine gänzlich neue Bewertung der klassischen Müllverbrennung nach sich, erklärt der Verband. Da die MVA künftig nicht fossile Brennstoffe, sondern verstärkt erneuerbare Energien substituiere, würde ihre Klimabilanz stark negativ. Bei der gegenwärtigen Anlagenstruktur würde die Abfallverbrennung etwa 13 Prozent des zur Verfügung stehenden Treibhausgasemissions-Budgets beanspruchen, aber nur rund 1 Prozent Anteil zur Stromproduktion beisteuern. Künftig würden Kraftwerke benötigt, die nicht der Grundversorgung dienen, sondern Schwankungen flexibel ausgleichen. Das könne die traditionelle MVA nicht leisten, so der BDE.

Zu den Gewinnern der Energiewende zählt das Öko-Institut die Aufbereiter von hochwertigen Ersatzbrennstoffen. Solche Stoffe könnten flexibel eingesetzt werden und Brennstoffe unmittelbar substituieren. „Innerhalb der nächsten 10 bis 15 Jahre wird sich der Markt für hochwertige Ersatzbrennstoffe von heute 4,6 Millionen Tonnen auf ca. 8,1 Millionen Tonnen fast verdoppeln“, glaubt das Institut. Der Einsatz von EBS als Prozessenergie erspare dann den Einsatz von rund 2 Millionen Tonnen Steinkohle bzw. 1:1 den Ersatz von Braunkohle.

Darüber hinaus hat das Öko-Institut auch die Potenziale abgeschätzt, die die Kreislaufwirtschaft insgesamt zur Minderung der CO2-Emissionen beitragen kann. Das Institut rechnet vor, dass pro Jahr eine CO2-Minderung von 11 Millionen Tonnen erreichbar ist. Der Beitrag der Abfallwirtschaft würde dann bei jährlich 30 Millionen Tonnen Treibhausgasminderung liegen. Das entspricht den Gesamtemissionen von etwa 2,8 Millionen EW. Die Menge der hergestellten Sekundärrohstoffe kann den Berechnungen zufolge von 15 auf etwa 17,3 Millionen Tonnen pro Jahr gesteigert werden. Die Menge an Kompost lässt sich um knapp ein Viertel auf 5,8 Millionen Tonnen erhöhen.

Große Wertstoffpotenziale sieht das Öko-Institut auch in den Gewerbeabfällen und in der Erfassung von Elektrokleingeräten. Künftig könnten knapp 3 Millionen Tonnen Wertstoffe aus Gewerbeabfällen zurückgewonnen werden, glaubt das Institut. Ferner könnten rund 120.000 Tonnen Elektrokleingeräte im Jahr stofflich verwertet werden. Für die Energiewende sei die Rückgewinnung seltener und kritischer Rohstoffe von besonderer Bedeutung. Angesichts dessen sei die heutige Erfassungssituation über das Bringsystem offensichtlich untauglich.

Der BDE hat auf Basis dieser Erkenntnisse einen Forderungskatalog aufgestellt. Dazu zählt, die Kapazitäten bei MVA umgehend und kontinuierlich zurückzuführen. Hierbei dürften Bund und Länder die Eigentümer der Anlagen, insbesondere die Kommunen nicht allein lassen. „16 Autarkieverordnungen der Bundesländer werden nicht geeignet sein, das Problem der Überkapazitäten zu lösen“, so der BDE. Ferner setzt sich der Verband dafür ein, die Finanzierung von absehbaren thermischen Überkapazitäten oder gar Deponien in Mitgliedstaaten der EU aus Mitteln der Strukturfonds einzustellen. Außerdem sollte die Produktion von hochwertigen Ersatzbrennstoffen im Rahmen der anstehenden Novelle von der EEG-Umlage befreit werden.

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