Verwertung von Shredderrückständen

Die Universität Siegen und das Unternehmen Sicon wollen aus Shredderrückständen von Altautos ein Granulat herstellen. Der Brennstoff soll energetisch verwertet werden.

Projekt ReGran


Das Projekt trägt das Kürzel „ReGran“ und steht für „Innovative Mischbrennstoffgranulate aus Shredderrückständen des Automobilrecyclings und heimischen Energieträgern“. Dahinter verbirgt sich eine Kooperation zwischen der Universität Siegen und dem Unternehmen Sicon. Die beiden Partner wollen Kunststoffbestandteile von Altautos zu einem Mischbrennstoff-Granulat aufbereiten und dazu in Kürze eine Versuchsanlage an der Universität Siegen aufbauen.

Die Herausforderung des Vorhabens besteht insbesondere in der Kombination von Kunststoffteilen und organischen Brennstoff. Wie die Universität Siegen erklärt, bestehen die Kunststoffteile nach dem Shreddern zu einem erheblichen Anteil aus faserigen Flusen. Diese Flusen werden gemeinsam mit einem organischen Brennstoff – Waldrestholz, Sägespäne, Braunkohlestaub, Gummimehl aus Altreifenverwertung, zerkleinerte Energiepflanzen wie Miscantus oder ähnliches Material – in einen beheizten Eirich-Intensivmischer gegeben. In der Versuchsanlage erfolgt das Beheizen des Mischers mit elektrischem Strom.

Entsprechende Vorversuche wurden bereits im Technikum der Firma Eirich in Hardheim durchgeführt. Im industriellen Betrieb sollen später größere Mischer mit Abwärme beheizt werden. „Wir brauchen ein Temperaturniveau von etwa 200° C“, erklärt Professor Wolfgang Krumm, Inhaber des Lehrstuhls für Energie- und Umweltverfahrenstechnik der Universität Siegen. Der Mischer selbst drehe sich; in seinem Inneren befänden sich Werkzeuge, die sich ebenfalls drehen. Unter der Wärmeeinwirkung schmelzen die Kunststofffasern auf und verbinden sich durch Drehung von Mischbehälter und -werkzeug mit den anderen zugeführten Brennstoffen. So entstehe ein kugelförmiges Granulat. Dieses wird aus dem Mischer gekippt und erkaltet.

Das Granulat, dessen Größe mithilfe von Parametern wie Temperatur, Drehgeschwindigkeit von Mischbehälter und -werkzeug und Kunststoff-Biomasse-Mischung eingestellt werden kann, soll als Brennstoff in Zementdrehöfen oder Kraftwerken zum Einsatz kommen. „Wir haben dann einen definierten Brennstoff mit bestimmten Brenneigenschaften“, so Krumm. Doch zunächst muss man herausfinden, ob die biogenen Energieträger wirklich nach den Vorstellungen der Forscher eingebunden werden können. Darüber hinaus muss das optimale Mischverhältnis zwischen Kunststoffflusen und Biomasse festgelegt werden. Ferner muss die optimale Temperatur im Mischer gefunden werden, um dessen optimale Drehgeschwindigkeit einzustellen.

„Eine Vielzahl von Parametern muss stimmen und aufeinander abgestimmt sein, um ein möglichst gutes Ergebnis hinsichtlich der Stabilität und der Verbrennungs- und Vergasungseigenschaften des Brennstoffs zu erzielen“, erklärt Krumm. Doch wenn alles funktioniert, dann habe der neue Brennstoff den besonderen Vorteil, dass man Additiva zugeben kann. Durch die Beigabe von Zusatzstoffen wie beispielsweise Kalkstein erhoffen sich die Forscher, die Schadstoffbildung bei der Verbrennung reduzieren zu können.

Aber auch nach der Entwicklung des Brennstoffes, gibt es noch jede Menge Arbeit. „Wir müssen herausfinden, welche Brenneigenschaften er hat, und ob sich durch Vergasung qualitativ hochwertiges Produktgas gewinnen lässt, das einerseits als Erdgasersatz Verwendung finden oder aus dem andererseits Wasserstoff abgetrennt werden kann“, weiß Krumm. Auch die Verminderung von Schadstoffen durch Additiva werde dann in Festbett-und Wirbelschichtreaktoren getestet und gegebenenfalls weiter optimiert.

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