Planmengen für 2. Quartal

Die Planmengen der dualen Systeme für das 2. Quartal sind nochmals gesunken. Nun erodiert das System der Verpackungsentsorgung. Ein weiteres Krisentreffen soll das Auseinanderbrechen verhindern.

Duale Systeme steuern gegen die Wand


Die Abwärtsspirale dreht sich weiter. Die Planmengen der Systembetreiber für das 2. Quartal sind im Vergleich zum 1. Quartal nochmals um 15 Prozent gesunken. Vor allem DSD, Eko-Punkt und Interseroh haben ihre dualen Mengen deutlich reduziert.

Eko-Punkt hat 75 Prozent weniger LVVP gemeldet, Interseroh hat seine dualen Mengen gegenüber dem 1. Quartal um rund 50 Prozent herabgesetzt. Auch DSD hat die Zahlen nochmals nach unten korrigiert. Im Vergleich zum 1. Quartal hat der Marktführer 29 Prozent weniger Leichtverpackungen und 36 Prozent weniger PPK gemeldet. Über das ganze Jahr gerechnet, hat DSD somit rund 40 Prozent seiner dualen Mengen abgemeldet.

Die neuerliche Reduktion der Planmengen wird die Spekulationen weiter befeuern. Insbesondere Eko-Punkt dürfte ins Gerede kommen. Der Systembetreiber gehört zum Entsorgungskonzern Remondis, der seit einiger Zeit das kommunale Modell der Verpackungsentsorgung unterstützt, weil er sich über seine zahlreichen PPP-Beteiligungen mehr Einnahmen verspricht als über das bestehende System. Manche Beobachter unterstellen, dass Eko-Punkt bewusst duale Mengen abmeldet, um auf diese Weise das favorisierte kommunale Modell GemIni zu stützen.

„DSD stellt sich als Retter dar“

Scharfe Kritik übt der Systembetreiber Reclay an seinem Konkurrenten DSD. DSD fordere lautstark die Abschaffung von Schlupflöchern, scheine sie aber selbst massiv zu nutzen, kritisiert Reclay. Der Mengenschwund bei DSD könne unmöglich alleine durch den Verlust großer Kunden verursacht worden sein. Vielmehr deute alles darauf hin, dass DSD seine Mengen aus dem dualen System rausgenommen habe und sie stattdessen über Eigenrücknahme und Branchenlösungen entsorge.

„DSD stellt sich in Politik und Öffentlichkeit als Retter des Systems dar, nutzt jedoch in Wahrheit seine marktbeherrschende Stellung aus“, schimpft Raffael A. Fruscio, geschäftsführender Gesellschafter der Reclay Group. „Die deutlich zu niedrig gemeldeten Mengen schonen die eigene Liquidität, können aber bei anderen Systembetreibern zu Engpässen führen. Wir behalten uns vor, das Bundeskartellamt einzuschalten. Gleichzeitig sollten sich DSD-Kunden einmal die Frage stellen, ob sie tatsächlich wissen, was mit ihren Mengen geschieht.“

Reclay kreidet DSD auch unglaubwürdiges Verhalten mit Blick auf das BDE-Zertifikat an. Noch vor wenigen Wochen habe DSD das Zertifikat als einziges wirksames Mittel für einen fairen Wettbewerb angepriesen. „Vor kurzem wurde bekannt, dass der Systembetreiber seine Teilnahme am Zertifikat gekündigt hat.“

Entsorger und Kommunen fürchten um ihre Entgelte

Am vergangenen Freitag haben sich die Gesellschafter der Clearing-Stelle nochmal getroffen, um doch noch eine Einigung über die Marktanteile für 2014 herbeizuführen. Auch dieses Treffen blieb dem Vernehmen nach ergebnislos. Schon vor einigen Wochen wurden die Verhandlungen abgebrochen: Reclay hatte die Verhandlungen verlassen, Remondis hatte im Anschluss die Verhandlungen für gescheitert erklärt. Im Vorfeld des Treffens am Freitag war zumindest die Hoffnung zu hören, dass Reclay wieder an den Verhandlungstisch zurückkehrt.

Am heutigen Monat treffen sich außerdem die dualen Systeme mit Verbandsvertretern aus Handel und Industrie. Der Handel hatte in einem offenen Brief bereits seine Sorge um den Fortbestand der privatwirtschaftlichen Systems der Verpackungsentsorgung geäußert. Auch Kommunalvertreter werden an dem Treffen teilnehmen.

Bei dem Treffen wird es auch um die Nebenentgelte gehen. Inzwischen fürchten alle Beteiligten des Systems um ihre Einnahmen: die Kommunen um die Nebenentgelte und die Entsorger um die Bezahlung ihrer Dienstleistung. Denn wenn alle Systembetreiber ihre Marktanteile bewusst tief ansetzen, kommt in der Summe nicht mehr 100 Prozent zusammen. Die Differrenz müssen dann Kommunen und Entsorger tragen. Sie bringen zwar weiterhin 100 Prozent der geforderten Leistung, bekommen aber entsprechend der Marktanteile weniger als 100 Prozent bezahlt. Es wäre dann nur eine Frage der Zeit, bis das System endgültig zusammenbricht.

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