Interview mit WEEE Europe-Vorstand

Christian Ludwig, Vorstand von WEEE Europe, will 2015 in allen wichtigen EU-Ländern präsent sein. Er erklärt, was sein Unternehmen von anderen unterscheidet und was Hersteller tun sollten, um das Recycling stärker zu fördern.

„Abfallströme transparent machen“


Die novellierte WEEE-Direktive hat nicht die versprochene Vereinheitlichung und Vereinfachung im Umgang mit E-Schrott gebracht. Im Gegenteil, der Verwaltungsaufwand für alle Marktteilnehmer ist enorm, vom Mittelständler bis hin zum Großkonzern. Sie werden mit einer Vielzahl nationaler Gesetze konfrontiert. Neun führende Rücknahmesysteme in Europa haben das Gemeinschaftsunternehmen WEEE Europe gegründet. Es soll ab Januar 2015 Herstellern und anderen Marktteilnehmern die Erfüllung ihrer unterschiedlichen nationalen Pflichten aus einer Hand ermöglichen.

Herr Ludwig, Dienstleister für die Erfüllung der Produktverantwortung gibt es bereits einige. Was macht WEEE Europe anders als die anderen?

Als Non-for-Profit-Unternehmen arbeiten wir kostendeckend. Dadurch können wir anders agieren als gewinnorientierte Serviceanbieter. Basierend auf unserer Partnerschaft mit führenden Rücknahmesystemen haben wir die Qualität unserer Leistungen im Fokus und streben eine langfristig zuverlässige Erfüllung der rechtlichen Anforderungen in den verschiedenen Ländern an. Außerdem können wir den Herstellern ein einheitliches europäisches Reporting anbieten – durch die enge Zusammenarbeit und den Informationsaustausch mit den WEEE Europe Mitgliedssystemen.

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WEEE Europe

Für Hersteller wird die Abwicklung in jedem Fall einfacher und spart damit Zeit und Kosten.

In welcher Größenordnung?

Die Größenordnung einer möglichen Einsparung hängt stark vom jeweiligen Hersteller ab und davon, wie er sich bisher organisiert hat, um seine rechtlichen Anforderungen zu erfüllen.

Sie decken momentan acht Länder ab. Anfang 2015 wollen Sie Ihr Geschäft operativ starten. Wie viele Länder wollen Sie bis dahin unter Dach und Fach haben?

Zum operativen Start rechnen wir mit Mitgliedern in ca. 20 Ländern. Alle wesentlichen EU-Mitgliedsländer sowie die Schweiz und Norwegen sollen damit abgedeckt sein.

In vielen Ländern kommt das Recycling nur langsam voran. Auch in Deutschland läuft es neuerdings schleppend. Welchen Beitrag könnten Hersteller leisten, um das Recycling zu forcieren?

Wichtig ist zunächst, alle Abfallströme transparent zu machen und damit auf der Basis einer verlässlichen Datengrundlage zu argumentieren. Viele Mengen werden heute schon fachgerecht recycelt, tauchen aber in den offiziellen Statistiken noch nicht auf. Klar ist dennoch, dass noch viel zu tun bleibt, um die künftigen Sammelziele von 65 Prozent zu erreichen. Ein wichtiger Beitrag der Hersteller liegt meiner Meinung nach auch heute noch in der aktiven Aufklärung der Verbraucher, um das Bewusstsein noch weiter zu steigern. Und dann müssen entsprechende Anreize gesetzt werden, damit die Geräte auch zurückgebracht werden.

Welche Maßnahmen wären geeignet, um auch die Effektivität der Produzentenverantwortung zu steigern?

Das ist eine politische Fragestellung, die nicht zum Aufgabenbereich eines Dienstleisters wie WEEE Europe gehört. Hier sind Gesetzgeber, Hersteller, Verbände und sonstige Beteiligte gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, die die abfallwirtschaftlichen Zielsetzungen bestmöglich umsetzen.

Wäre der deutsche Weg der geteilten Produktverantwortung ein Modell, das Sie anderen EU-Staaten empfehlen würden?

Die Frage stellt sich aus meiner Sicht so gar nicht: Alle EU-Staaten haben bereits vor Jahren individuelle Wege eingeschlagen, um die WEEE-Richtlinie in entsprechendes nationales Recht umzusetzen. Dabei wurden in vielerlei Hinsicht nationale Besonderheiten und Anforderungen berücksichtigt. Eine Übertragung des deutschen Modells auf andere Länder ist vor diesem Hintergrund keine realistische Option. Die Komplexität, die aktuell europaweit herrscht, ist Fakt. Es geht jetzt darum, wie sie beherrschbar wird – ohne einen hohen administrativen Aufwand seitens der Hersteller. Und genau darin besteht unsere Dienstleistung.

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