Erfassung von Bioabfällen

Bioabfälle können auch mit einem Beutel erfasst werden. Die Alternative zur Biotonne birgt Vorteile bezüglich der Qualität der erfassten Stoffe, hat aber auch Nachteile. Das zeigen die Erfahrungen im baden-württembergischen Ostalbkreis.

Beutel statt Tonne


Für Henry Forster, Geschäftsführer der Gesellschaft im Ostalbkreis für Abfallbewirtschaftung (GOA), ist es ein kleines Phänomen. Während kaum vergärbare, nachwachsende Rohstoffe, wie Grünschnitt, in die Biotonne gegeben werden, wandern Küchen- und Speiseabfälle mit hohem Gaspotenzial in den Hausmüll. Und das trotz der Biotonne, die vor dem Haus steht.

Die Gründe sind für Forster offenkundig. Zum einen ist es die Bequemlichkeit, da in der Küche ohnehin ein kleiner Restabfallbehälter inklusive Müllbeutel steht. Zum anderen lade die gebührenfinanzierte Biotonne quasi zum Missbrauch ein. So seien Störstoffe wie Glas, Erde, Kunststoffe oder Steine inzwischen „omnipräsent“.

Der Ostalbkreis hat deshalb schon vor Jahren einen anderen Weg eingeschlagen. Er bietet einen Biobeutel anstelle einer Biotonne an. Der Beutel kann in den Größen 7,5 Liter und 15 Liter auf Rollen a zehn Stück gekauft werden, erklärte Forster auf der Kasseler Abfallforum. Mit dem Kauf der Beutel finanziere der Bürger die Erfassung und Verwertung des Bioabfalls. Da der Beutel für die Erfassung in der Küche eine optimale Größe habe und wöchentlich abgeholt werde, sei der Beutel nicht nur ein Sammelgefäß, sondern auch ein Bereitstellungsgefäß.

Anlaufkosten sind niedriger

Wie Forster hervorhebt, habe der Biobeutel eine Reihe von Vorteilen gegenüber der Tonne. Zum einen verhindere der relativ hohe Preis des Beutels, dass der Nutzer Störstoffe und Grünschnitt in den Beutel gibt. Die Ausbeute an Rohgas in einer Biogasanlage sei dadurch wesentlich höher als mit dem Material aus der Biotonne. Darüber hinaus gebe es wenig saisonale Mengenschwankungen, weil der Inhalt des Biobeutels kaum Grünschnitt enthalte.

Hinzu kommen geringere Anlaufkosten bei Einführung des Beutels. Bei einer Verteilung von Tonnen in einem vergleichbaren Landkreis mit 110.000 Einwohnern würde schon die Investition und Verteilung der Gefäße Millionen kosten, so Forster. Eine Korrektur und ein Systemwechsel wären kaum möglich, bei einem Biobeutel jedoch schon.

„Dem Verbraucher steht ein transparentes, individuelles System zur Verfügung, welches er entsprechend seinem Konsumverhalten anpassen kann“, erklärte Forster. Dabei werde das System im Ostalbkreis noch von anderen Besonderheiten flankiert. So könne der Gebührenzahler neben den Grundgebühren die Behältergröße für Hausmüll sehr flexibel bestimmen. Dabei könne er die Größe bis hin zu einer Sackgröße reduzieren. Zugleich seien „Müllgemeinschaften“ zugelassen.

Höhere spezifische Kosten

Allerdings gibt es auch Nachteile. Spezifisch gesehen seien die Kosten pro Tonne aufgrund der wöchentlichen Erfassung höher, räumt Forster ein. Über das System werden im Ostalbkreis jährlich rund 10.000 Tonnen Bioabfall erfasst. Damit liegt die Erfassungsquote bei etwa 50 Prozent der durchschnittlichen Menge in Baden-Württemberg. Allerdings werde in der Verwertung auch nur für speiseabfallähnliche Abfälle bezahlt, während der Grünschnitt in günstigere Wege gehe.

Ein weiterer Nachteil sei, dass es insbesondere im Winter Probleme gebe, wenn die Beutel am Vorabend an die Straße gestellt werden. Durch Anfrieren und Schneefall würden die Beutel teilweise beschädigt oder verdeckt. Außerdem komme es vor, dass vor allem Rabenvögel, Katzen und Igel die Beutel als Nahrung benutzen.

Alles in allem jedoch sei im Ostalbkreis ein System umgesetzt worden, dass „regional passt und von der Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger akzeptiert ist und genutzt wird“. Dabei ist sich Forster im Klaren, dass dieses System nicht in jedem Landkreis und noch schwieriger in Großstädten umgesetzt werden kann. Doch das ist aus seiner Sicht auch nicht nötig. Nötig für die Bioabfallsammlung seien regional angepasste Lösungen, sagt er, nicht bundesweit einheitliche Systeme.

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