Neue DERA-Studie

Mittelfristig wird das weltweite Angebotsdefizit für den Metallrohstoff Wolfram voraussichtlich bestehen bleiben. Durch Exportrestriktionen auf Schrott, Erze und Konzentrate wird die Marktlage noch verschärft

Trotz Recycling: Wolfram bleibt knapp


Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) kommt in einer neuen Studie zu dem Ergebnis, dass auch mittelfristig mit einem weltweiten Angebotsdefizit bei Wolfram zu rechnen ist. Der Metallrohstoff gehört zu den von der EU als potenziell „kritisch“ eingestuften mineralischen Rohstoffen. Wichtige Anwendungsbereiche von Wolfram sind Hartmetallwerkzeuge, Stahl- und Superlegierungen sowie Halbzeug (z. B. Glühdrähte, Elektrodenmaterial) und Chemikalien.

Trotz vermehrtem Recycling sowie dem Bau neuer Bergwerke und zusätzlicher Aufbereitungskapazitäten u.a. in Vietnam, Australien, Großbritannien und Spanien bleibt weiterhin eine hohe Angebotskonzentration auf China bestehen, lautet das Fazit der DERA-Studie „Rohstoffrisikobewertung – Wolfram“. Mit über 80 Prozent der globalen Bergwerksförderung ist China der weltweit wichtigste Wolframproduzent. Neben der Erhebung von Exportzöllen hält China weiterhin an Exportquoten auf Wolframzwischenprodukte fest. Der Export von Wolframerz und –konzentrat ist gänzlich verboten. Begründet werden die Exportbeschränkungen mit dem Schutz von Ressourcen und Umwelt. Das führt dazu, dass eine sichere Versorgung mit Wolfram auch in naher Zukunft nicht gewährleistet ist.

Im März 2012 haben die EU, die USA und Japan gemeinsam ein Streitbeilegungsverfahren gegen Chinas Exportbeschränkungen, Ausfuhrzölle und den eingeschränkten Zugang für ausländische Firmen zu Wolfram, Molybdän und Seltenen Erden beantragt.
Am 26. März 2014 hat die Welthandelsorganisation (WTO) der Klage stattgegeben. Die entsprechenden Exportbeschränkungen verletzten sowohl die WTO-Regeln als auch die mit der WTO-Mitgliedschaft verbundenen Verpflichtungen zur Einhaltung der internationalen Handelsregeln. China kann nun innerhalb von 60 Tagen Einspruch einlegen, über den die Einspruchsbehörde der WTO innerhalb von drei Monaten entscheiden muss.

Exportsteuer auf Wolframschrott

Neben China haben weitere Länder Exportrestriktionen für Wolframprodukte erlassen, die die Situation verschärfen. So erhebt die Russische Föderation, mit einem Anteil von rund 4,5 Prozent der Weltproduktion das zweitgrößte Bergbauland für Wolframerz, Exportsteuern in Höhe von 10 Prozent auf Wolframkonzentrat sowie Wolframschrott. Außerdem fordern Argentinien und Vietnam eine Ausfuhrsteuer auf Wolframerz in Höhe von 10 bzw. 20 Prozent. Vietnam erhebt zudem eine Ausfuhrsteuer auf wolframhaltige Waren. Die Ukraine und Pakistan besteuern die Ausfuhr von Wolframschrotten mit 15 bzw. 25 Prozent, Sambia, Tansania und Venezuela haben ein Exportverbot auf Wolframschrotte verhängt.

Die EU, Japan und die USA sind nach China die größten Märkte für Wolfram. Deutschland ist der weltweit größte Importeur von Wolframpulver (29,2 Prozent der Weltimporte) sowie Wolframabfällen und -schrotten (45,5 Prozent), zweitgrößter Importeur von Wolframkarbiden (17,3 Prozent), drittgrößter Importeur von Wolframaten (17,9 Prozent) sowie Ferrowolfram (12,9 Prozent) und viertgrößter Importeur von Wolframoxiden (14,5 Prozent), (Datenbasis 2011).

Mehr zum Thema
Bundestag stimmt Erhöhung der Lkw-Maut zu
„Wir waren wohl zehn Jahre zu früh dran“
Bunker-Brand im Müllheizkraftwerk Stavenhagen
Botree Cycling plant Batterierecycling­anlage in Guben
Gurtschlossabdeckung aus chemisch recyceltem Kunststoff
Bundesbank erwartet Rezession im Winterhalbjahr
Deutsches WM-Trikot: „Das ist wirklich beeindruckend schlecht“
Drei Bundesländer wollen Exportverbot von Textilabfällen durchsetzen
Deutschlands erster Unverpackt-Laden gibt auf
Entsorger steigen bei Mineral Waste Manager ein
Arbeitsmarkt verliert bis 2035 rund sieben Millionen Menschen
Neuer Studiengang zu Recycling und Wertstoffmanagement