Novelle des EEG

Die Lage ist sehr ernst, sagte der Hauptgeschäftsführer des Fachverbands Biogas, Claudius da Costa Gomez, heute auf der IFAT. Mehr als drei Viertel aller Befragten beurteilen die aktuelle Stimmungslage als „sehr schlecht“. Die Umsätze drohen wegzubrechen - und damit auch die Arbeitsplätze.

Miese Stimmung in der Biogasbranche


Bereits das Anfang 2012 novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2012) und die Diskussion um die Strompreisbremse zu Beginn letzten Jahres habe der Branche schwer zu schaffen gemacht, sagte da Costa Gomez bei einer Pressekonferenz auf der IFAT. Die aktuelle Diskussion um das EEG 2014 habe nun zu einer zusätzlichen Verunsicherung geführt. Nach einer Umfrage des Fachverbands Biogas unter seinen Mitgliedern befürchten die befragten Firmenvertreter bis Ende des Jahres einen Verlust von mindestens 25 Prozent der Arbeitsplätze im Verhältnis zum Vergleichsjahr 2012.

statistic_id167673_biogasanlagen---installierte-elektrische-leistung-in-deutschland-bis-2014Zugleich werde der Exportanteil am Gesamtumsatz auf über zwei Drittel ansteigen, glauben die Befragten. „Das heißt im Umkehrschluss, dass weniger als ein Drittel des Firmenumsatzes in Deutschland realisiert wird“, erklärte Hendrik Becker, Vizepräsident des Fachverbandes Biogas und Geschäftsführer der Firma PlanET Biogastechnik GmbH. Für das Jahr 2014 prognostiziert der Fachverband Biogas nur etwas mehr als 100 Neuanlagen mit einer installierten Leistung von zusammen knapp 40 Megawatt. „Verlieren wir den heimischen Markt, verlieren wir auf Dauer die notwendige Innovationskraft, um auch im Exportgeschäft konkurrenzfähig zu bleiben“, mahnte Becker. Über Jahrzehnte aufgebautes Know-how sowie die bestehende globale Marktführerschaft würden damit unnötigerweise geopfert.

Biogaspotenzial noch lange nicht ausgeschöpft

Zumindest einen kleinen Lichtblick sehen die Branchenvertreter im geänderten Kreislaufwirtschaftsgesetz: Ab 2015 sind die Kommunen verpflichtet, die Getrenntsammlung von Bioabfall aus Haushalten flächendeckend zu garantieren. Zwei bis vier Millionen Tonnen Haus- und Küchenabfälle könnten damit zusätzlich gesammelt und in Biogasanlagen vergoren werden.

Insgesamt aber gibt es für die Biogasbranche derzeit wenig Grund zur Freude. „Die Lage der Biogasbranche in Deutschland ist sehr ernst“, sagte da Costa Gomez. Laut einer Umfrage des Fachverbandes beurteilen mehr als drei Viertel der befragten Experten die aktuelle Stimmungslage als „sehr schlecht“. Dabei könnte Biogas als flexibler regenerativer Energieträger einen wichtigen Teil zu Realisierung der Energiewende beitragen, erklärte da Costa Gomez. Wie eine aktuelle Studie des Instituts für ZukunftsEnergieSysteme (IZES) erst kürzlich ergeben hat, ist das Biogaspotenzial noch lange nicht ausgeschöpft und kann mit entsprechend flexibler Fahrweise und der zu erwartenden Effizienzsteigerung von heute 3,2 auf 15 Gigawatt ausgebaut werden.

„Biogas ist für eine wirkliche Energiewende mit dem Ziel, den Klimawandel zu stoppen und die Energieversorgung erneuerbar zu gestalten, unverzichtbar“, betonte da Costa Gomez.

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