Schlackeaufbereitung

Seit rund drei Jahren ist in den Niederlanden eine Waschanlage für Schlacken aus Hausmüllverbrennungsanlagen in Betrieb. Zeit für ein Zwischenfazit und eine Antwort auf die Frage, ob sich die Anlage bewährt hat.

MVA-Schlacke: Aufbereitet, gewaschen und eingebaut


Schlacken aus Hausmüllverbrennungsanlagen können nicht ohne weiteres verbaut werden. Auch in den Niederlanden durfte die HMV-Schlacke viele Jahre lang nur dann verwendet werden, wenn sie anschließend mit einer wasserfesten Oberflächenabdichtung abgedeckt wird. Doch seit der niederländische Staat und die Recyclingwirtschaft im Jahr 2012 den sogenannten Green Deal abgeschlossen haben, sind die Produzenten von MVA-Schlacke aufgerufen, die Qualität der Schlacke so zu verbessern, dass auf die Oberflächenabdichtung verzichtet werden kann.

Konkret wurde in dem Green Deal vereinbart, die Schlacke so zu optimieren, dass sie ab 2017 zunächst zu 50 Prozent und ab 2020 zu 100 Prozent ohne Oberflächenabdichtung eingesetzt werden kann – also als frei verwendbarer Baustoff. Daran hat nicht zuletzt auch der niederländische Staat ein Interesse, denn er ist der größte Abnehmer von Schlacke für Autobahnen und Viadukte.

Einer der Entsorger, der die Optimierung der MVA-Schlacke schon seit Jahren testet und durchführt, ist das kommunale Unternehmen HVC. Der Entsorger produziert mit seinen beiden Hausmüllverbrennungsanlagen (HMV) jährlich rund 250.000 Tonnen rohe MVA-Schlacke, erklärte Jan-Peter Born, Manager Business Development bei HVC auf der Berliner Konferenz „Mineralische Nebenprodukte und Abfälle“. Er und die Firma Boskalis Environmental arbeiten schon seit mehreren Jahren zusammen. Boskalis Environmental ist im Bereich nasse Grundreinig tätig und hat die Technologie auf MVA-Schlacke angepasst.

Nach mehreren Tests und erfolgreichen Pilotstudien haben beide Parteien Ende 2015 einen langjährigen Kooperationsvertrag unterschrieben und Mitte 2016 in Alkmaar eine Schlacke-Waschanlage in Betrieb genommen. Die Kapazität liegt bei rund 320.000 Tonnen pro Jahr.

Höherer Metallertrag

„Das Waschen unterscheidet sich von anderen Optimierungen der Verarbeitung von HMV-Schlacke dahingehend, dass die gesamte HMV-Schlacke vollständig gereinigt wird und sich vor allem auf die Herstellung von frei verwendbarem, nicht geformtem Baustoff im Boden-, Straßen- und Wasserbausektor konzentriert“, sagte Bron. Mit diesem Ansatz werde eine viel größere Sicherheit erreicht, dass die Produkte nach dem Waschen auch tatsächlich in großem Umfang im Markt vertrieben werden könnten.

Um den Baustoff zu erzeugen, durchläuft die Schlacke ein mehrstufiges Verfahren:

  • Zunächst wird in die klassische trockene Aufbereitung ein nasses Trommelsieb eingebaut.
  • Das Sieb scheidet den Sand und die Schlackefraktion von der gröberen Granulatfraktion ab (> 3 bis 4 Millimeter).
  • Die Granulatfraktion durchläuft anschließend die gleiche klassische, trockene, eisenfreie Abscheidung wie zuvor: Das Granulat wird grob und fein gesiebt und über parallele Doppelwirbelstromabscheider geleitet.
  • Durch die Technik sei der Ertrag an NE-Metallen viel höher als zuvor, da die Metallpartikel durch den Waschschritt von Staub und Sand befreit wurden.
  • Im nächsten Schritt wird der Schlamm in der Waschanlage vom Sand getrennt. Nach der Entwässerung wird der Schlamm deponiert und der Sand mit frischem Wasser nachgespült.
  • Dabei wird auch eine Dichtetrennung durchgeführt, um die schweren metallischen Metalle abzutrennen und zu vermarkten.
  • Das Granulat aus Metallen wird ebenfalls mit Frischwasser nachgespült.
  • Anschließend werden Sand und Granulat wieder zusammengefügt, um ein Aufschüttmaterial bis zu einer Korngröße von 20 Millimetern zu erhalten. Da der Schlamm fehlt, hat das Material im Straßenbau eine besonders abfließende Eigenschaft. Auch die Verarbeitung und Komprimierung bei Regen ist laut Bron kein Problem mehr.

Das erzeugte Granulat wurde bereits erfolgreich als Sand- und Kiesersatz getestet, betonte Bron. Da die Technologie einen nahezu geschlossenen Wasserkreislauf hat, könne sie auch an Orten eingesetzt werden, an denen keine Ableitmöglichkeit besteht. Auf Trockenstoffbasis müssten letztendlich noch rund 10 Prozent der rohen Schlacke deponiert werden.

Nach drei Jahren Laufzeit der Anlage in Alkmaar hat sich laut Bron vor allem eines gezeigt: Mit der Technik ist man in der Lage, gemäß dem Green Deal im Jahr 2020 die gesamte HMV-Asche frei anwendbar zu vertreiben. Das Waschen von MVA-Schlacke sei inzwischen eine bewährte Technologie.


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[su_spoiler title=“Der niederländische Green Deal:“]

  • In den Niederlanden entstehen in den Müllverbrennungsanlagen (MVA) jährlich etwa 2 Millionen Tonnen MVA-Schlacke.
  • Da die Schlacke nicht deponiert werden darf, musste für sie eine sinnvolle Anwendung gefunden werden.
  • Um die Umweltauswirkungen der Schlacke in Griff zu bekommen, haben der niederländische Abfallwirtschaftsverband und das Umweltweltministerium im Jahr 2012 den Green Deal geschlossen.
  • Mit dem Green Deal verpflichteten sich die MVA-Betreiber, die Qualität der Schlacke so zu verbessern, dass sie ab 2017 zu 50 Prozent ohne nachträgliche Oberflächenabdichtung verwendet werden darf. Ab 2020 soll das für die gesamte MVA-Schlacke gelten.
  • Außerdem musste der Prozentsatz der abgeschiedenen Nichteisenmetalle aus der MVA-Schlacke aus der Fraktion > 6 Millimeter seit 2017 auf mindestens 75 Prozent erhöht werden.
  • Eine weitere Vereinbarung lautet, dass der Staat sich dafür einsetzt, dass das Deponieverbot für Reststoffe aus MVA-Schlacke etwas gelockert wird. Grund dafür ist, dass beispielsweise beim Reinigen der MVA-Schlacke ein Reststoff freigesetzt wird, der deponiert werden muss. Die Masse des Reststoffstroms, der abgelagert werden darf, wurde auf 15 Prozent Trockenmasse reduziert.

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© 320° | 15.05.2019

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