Neue Anlage

kostenpflichtig
Biogaserzeugung, Pyrolyse und Recycling von Kunststoffen, Kompostierung und EBS-Erzeugung: Eine neue Entsorgungsanlage in Ghana kombiniert Abfallverwertung mit Energie- und Materialerzeugung. Sie soll als Blaupause für ganz Afrika dienen.

Erste hybride Waste-to-Energy-Anlage in Ghana


Die Abfallentsorgung in Ghana hat viel Luft nach oben. Nach Angaben von Forschern der Universität Rostock landen derzeit 90 Prozent aller Siedlungsabfälle auf der Straße. Lediglich zehn Prozent würden verwertet. Um diesen Anteil deutlich zu erhöhen, haben die Forscher eine Anlage entwickelt, die verschiedene Abfallbehandlungsarten vereint – und neben Energie auch Material zurückgewinnen kann.

Die hybride Anlage steht in der ghanaischen Gemeinde Atwima und wurde vor wenigen Tagen eingeweiht. „Hybrid“ nennen sie die Forscher deshalb, weil für die Energiegewinnung verschiedene Abfallbehandlungsarten kombiniert werden und aus dem Restmüll noch Wertstoffe sortiert und recycelt werden. So besteht die Anlage aus einer Sortieranlage, einer Biogasanlage, einer Kunststoffpyrolyseanlage sowie einer Anlage für Kunststoffrecycling und einer Kompostieranlage.

„Für die Energiegewinnung haben wir eine Biogasanlage mit einer Kapazität von 120 Kilowatt und eine Kunststoffpyrolyseanlage mit 100 Kilowatt elektrischer Leistung“, erklärt Satyanarayana Narra, der als Professor für Abfall- und Stoffstromwirtschaft an der Rostocker Uni das Projekt leitet, gegenüber 320°. Auf dem Dach der Anlage gebe es zusätzlich Solarzellen, die eine Kapazität von 200 Kilowatt haben. „200 Kilowatt Strom speisen wir ins Netz ein, die anderen 200 Kilowatt nutzen wir für unsere internen Prozesse“, sagt er.

Sortieranlage schafft 50 Tonnen pro Tag

Neben Energie gewinnt die hybride Anlage auch Kunststoffe sowie Ersatzbrennstoffe (EBS) zurück. Dafür werden die Abfälle zunächst getrennt. Die Sortieranlage schafft laut Narra etwa 50 Tonnen am Tag. Die Kunststoffreste werden dann in der Recyclinganlage – bestehend aus zwei Grindern, einer Waschanlage und einem Granulierer – zu Plastikgranulat verarbeitet. „Alle Stoffe, die nicht mehr recycelt werden können, bereiten wir zu EBS auf und senden sie an Zementwerke“, sagt Narra. Das Interesse aus der Zementindustrie an dem EBS sei groß.

Betrieben wird die 2,5 Millionen Euro teure Anlage von einer ghanaischen Privatfirma – die Universität Rostock fungiert als externer Reviewer. Mit Ausnahme der Pyrolyseanlage ist die Waste to Energy-Anlage laut Narra seit wenigen Tagen in Betrieb; die Pyrolyseanlage soll im August fertig werden. Insgesamt sollen etwa 50 neue Arbeitsplätze entstehen.

Die Planung und der Bau der Anlage sind Teil des Forschungsprojekts Waste2Energy in Ghana, das das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt 5,8 Millionen Euro fördert. Die Hybrid-Anlage in Atwima soll nun eine Art Blaupause sein. Nach Angaben der Rostocker Universität sind viele weitere Anlagen dieser Art in Afrika geplant.

320°/ek

Mehr zum Thema
Shredder-Schwerfraktion: Chemisches Recycling als Schadstoffsenke?
Industriepartner entwickeln nachhaltige Automaterialien
US-Plastikrecycler PureCycle will Fuß auf EU-Markt setzen
Chemisches Recycling: Welche Branchen das größte Interesse zeigen
Bottle-to-Bottle Recycling: RCS vervierfacht Kapazitäten
Recyceltes PVC ersetzt 18 Prozent Neuware
Geschlossener Kreislauf für Kohlenstofffasern
Flughafen-Bodenfahrzeuge in Amsterdam tanken erneuerbaren Diesel