Pilotprojekt

Narkosegase aus Kliniken gelten als extrem klimaschädlich. Der Krankenhausbetreiber Helios will die Gase mithilfe eines Filtersystems reduzieren. Bis zu 90 Prozent könnten so recycelt und wiederverwendet werden.

Helios will Narkosegase recyceln


Nach Schätzung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin werden in deutschen Krankenhäusern pro Jahr 17 Millionen Narkosen vorgenommen. Hinzu kommen viele Tausend weitere Narkosen im ambulanten Bereich. Was kaum jemand weiß: Narkosegase zählen zu den schlimmsten Klimakillern weltweit. Die Emissionen einer siebenstündigen Operation mit dem Narkosegas Desfluran etwa entsprechen einer Autofahrt von 8.000 Kilometern.

Nach Angaben des Klinikbetreibers Helios, der in Deutschland 87 Krankenhäuser betreibt, verursachen Narkosegase bis zu 35 Prozent der Emissionen einer Klinik. Bislang werden die Gase über das OP-Abluftsystem nach außen geleitet. Nun erproben die Helios Kliniken in Bad Saarow (Brandenburg) und Schwelm (Nordrhein-Westfalen) ein Filtersystem, welches eine Wiederaufbereitung der Gase ermöglicht.

Dazu werden am Narkosegerät Aktivkohlefilter angebracht, die die Gase, die normalerweise nach draußen abgeleitet werden, abfangen. Die so gesammelten Gase werden im Anschluss von einem Dienstleister aufbereitet. Bis zu 90 Prozent können so recycelt und wiederverwendet werden.


Mehr zum Thema:


Helios will zudem den Einsatz besonders klimaschädlicher Narkosegase so weit wie möglich reduzieren. „Zum einen können wir die Gaszufuhr in das Narkosegerät auf das unbedingt notwendige Maß reduzieren, ohne dass es den Patienten oder die Anästhesiequalität in irgendeiner Weise beeinflusst. Zum anderen nutzen wir seit März 2022 Helios-weit kein Lachgas mehr“, erklärt Stefan Wirtz, Fachgruppenleiter Anästhesie bei den Helios Kliniken.

Lachgas ist bei Weitem das klimaschädlichste Narkosegas. Den Einsatz von Desfluran – ebenfalls ein schädliches Gas – hat Helios nach eigenen Angaben in wenigen Monaten um 40 Prozent reduzieren können. Ziel sei es, bis Ende des Jahres 50 Prozent einzusparen. 

„Bis 2030 halbieren wir bei Helios unsere direkten CO2-Emissionen auf jährlich noch 100.000 Tonnen CO2“, sagt Helios CEO Robert Möller. „Bis 2040 wollen wir die Klimaneutralität erreichen.“ Das Recycling von Narkosegas sei hierfür ein großer Hebel. Bislang gebe es nur in Baden-Württemberg für die landeseigenen Uni-Kliniken klare politische Vorgaben zum Narkosegasrecycling.

320°/re

Mehr zum Thema
Österreichs Abfallwirtschaft mit guter CO2-Bilanz
Migros steigt bei Revendo ein
Mauerstein aus Ziegelmehl und Bauschutt
Wertlose CO2-Zertifikate?
Studie: Grüne Wasserstoff-Importe könnten 2030 wettbewerbsfähig sein
Pyrum und Polyfuels planen vier Pyrolyseanlagen
Die Finnen sind am nachhaltigsten
Glasrecycling in Disney World
Eigene Batterieproduktion: Europas Pläne geraten ins Wanken
Wasserstoff aus Siedlungsabfall: EU fördert RWE-Projekt
US-Plastikrecycler PureCycle will Fuß auf EU-Markt setzen
Prognose für 2030: Aufkommen an Altbatterien in Europa wird sich mehr als verachtfachen